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Peter Kurz

Peter Kurz

Sergej Lepke

Peter Kurz

Statt in einer Gefängniszelle darf Anton Schlecker nun weiter in der Familien-Villa leben. Zum einen, weil er diese zeitig genug an seine Frau übertragen hatte und die Gläubiger wegen der praktischerweise vereinbarten Gütertrennung nicht auf das Haus zugreifen können. Zum anderen, weil das Gericht im Strafmaß für den Firmenpatriarchen mit zwei Jahren an der Grenze blieb, bis zu der eine Bewährung noch möglich ist.

Dieses Ergebnis mag nicht den Erwartungen der Öffentlichkeit an den Ausgang des Strafprozesses entsprechen. Und noch viel weniger den Illusionen der 25 000 Mitarbeiterinnen. Der Frauen also, die sich von Schlecker in die Arbeitslosigkeit getrieben fühlten und gleichzeitig vorgeführt bekamen, wie die Verantwortlichen ihre Schäfchen ins Trockene brachten. Doch das mit den Schäfchen ist längst nicht ausgemachte Sache. Schleckers Frau sieht sich Zivilklagen ausgesetzt, die am Ende die Villa unter den Hammer bringen können.

Dass die Richter Anton Schlecker nicht selbst, sondern nur seine Kinder ins Gefängnis schicken, dokumentiert jedenfalls dies: Sie bescheinigten dem Mann, der in besten Zeiten über 14 000 Läden herrschte, dass es ihm am Ende an Urteilsvermögen mangelte. Ging es in dem Strafprozess doch darum, ab wann er wusste, dass die Pleite nicht mehr abzuwenden sei. Schlecker hatte argumentiert, dass er lange geglaubt hatte, die Drogeriekette noch retten zu können. Das nahmen ihm die Richter bis zu einem gewissen Grad ab – und bestätigten ihm damit auch seinen Verlust unternehmerischer Weitsicht.

Das Gericht hatte nicht zu urteilen über alte Vorwürfe von Mitarbeitern, die sich in all den Jahren schikaniert fühlten. Und auch ein wirtschaftliches Versagen, das am Ende in die Pleite führt, ist also solches nicht strafbar. Man muss kein Mitleid mit Schlecker haben, aber dass auch er bestraft ist, sollte man zur Kenntnis nehmen. Der Mann, der sich in guten Jahren im Erfolg hätte sonnen können und doch die Öffentlichkeit scheute, wurde gerade in Zeiten, in denen sein Lebenswerk zerstört war, ins Rampenlicht gezerrt. Das frühere Phantom, das Zehntausende für ihr Schicksal verantwortlich machten, musste sich bei Gericht immer wieder den Kameras stellen. Dass der Mann, dessen Kinder nun ins Gefängnis müssen und der ja auch selbst sehr wohl verurteilt wurde, fein raus ist, kann nun wirklich nicht behauptet werden.

 

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