Bei allem berechtigten Ärger über den sogenannten Lohn fürs Nichtstun sollten wir aber die Zahlen-Relationen nicht vergessen.

Über die große Dreistigkeit einer Sippe, die zu Unrecht 440000 Euro an Hartz-IV-Geldern kassiert hat, können wir uns als Steuerzahler völlig zu Recht erzürnen. Und darüber, dass ausländische Arbeitslose daheim ein hübsches Häuschen und ein ansehnliches Vermögen besitzen, oder die neunköpfige Familie eines arbeitslosen Mannes monatlich 4000 Euro einstreicht.

Richtig wütend werden wir dann, wenn wir immer wieder von Typen wie Florida-Rolf, Yacht-Hans und Viagra-Kalle lesen. Da keimt schnell der Generalverdacht auf: Sozialhilfe an sich sei eine hemmungslose Abzocke, mit der ein Leben in Saus und Braus auf unser aller Kosten finanziert wird.

Bei allem berechtigten Ärger über den sogenannten Lohn fürs Nichtstun sollten wir aber die Zahlen-Relationen nicht vergessen. 70 Millionen Euro sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr an Sozialhilfe erschlichen worden - bei Gesamtleistungen in Höhe von 36,6 Milliarden Euro.

Eine großartige Steigerungsrate ist für dieses Jahr nach Angaben aus Nürnberg nicht zu erwarten. Bemerkenswert übrigens, dass der - verhältnismäßig geringe - Missbrauch der öffentlichen Fürsorge nach Beobachtungen von Experten eher bei den Gebildeteren unter den Armen vorkommt. Für die ehrlichen Empfänger reichen die Hartz-IV-Sätze gerade einmal für das Allernotwendigste.

Umso schlimmer sind die jährlich 100 Milliarden Euro, die dem Fiskus nach Schätzungen des Bundesfinanzministeriums durch Steuerhinterziehung vorenthalten werden. Dieses Geld fehlt unserem Staat für dringend notwendige Investitionen etwa in Infrastruktur, Forschung und Bildung - oder auch für konjunkturfördernde Steuersenkungen.

So richtig es war, durch die bessere Besetzung der Jobcenter den ärgerlichen Hartz-Missbrauch zu bekämpfen, so wichtig ist es, Steuerbetrüger und Steuerhinterzieher zu verfolgen. Dazu gehört es auch, die Zahl der Steuerfahnder und -prüfer erheblich aufzustocken. Die sind ihr Geld allemal wert.

Als Nebeneffekt würde sicher auch die Steuermoral bei uns Normalbürgern gestärkt. Denn wenn man weiß, dass nicht mehr nur der Ehrliche für alles bezahlt, bedarf es auch keiner noch so legalen Steuertricksereien mehr.

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