Olaf Steinacker, Kommentarfoto 2015
Olaf Steinacker.

Olaf Steinacker.

Judith Michaelis

Olaf Steinacker.

Ein ernstes Wörtchen will Frank-Walter Steinmeier in den kommenden Tagen mit Russland reden. Das ließ der Bundesaußenminister am Donnerstag am Rande seines Staatsbesuches in Saudi-Arabien verlauten. Wie sein amerikanischer Amtskollege Kerry macht Steinmeier Moskau für das Scheitern der Genfer Syrien-Gespräche verantwortlich, die der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura am Mittwoch, sechs Tage nach ihrem Start, bis Ende Februar ausgesetzt hat.

In der Tat schaffen Putins Luftwaffe gemeinsam mit den wiedererstarkten Truppen des Fassbombenwerfers Baschar al-Assad handfeste Fakten in dem Bürgerkriegsland. Einzig der Südosten der zerschossenen Millionenstadt Aleppo ist nun noch in der Hand der Rebellen, über den anderen Großstädten wehen die Fahnen des Regimes – oder des IS.

Dass die Opposition einen Waffenstillstand zur Bedingung für Gespräche macht, ist angesichts dieser Entwicklung keine Überraschung; dass die syrisch-russische Allianz sich dazu bereiterklärt, eine naive Vorstellung. Zumal nicht nur Damaskus und Moskau auf die militärische Karte setzen. Im Gegenteil: Seit Tagen macht das Gerücht einer türkischen Invasion in Nordsyrien die Runde. Dort haben die kurdischen Selbstverteidigungseinheiten zuletzt ebenfalls massiv Gelände gutgemacht und sollen nun eine Offensive in Richtung Westen vorbereiten. Überqueren kurdische Einheiten den Euphrat, ist für Ankara die „rote Linie“ überschritten. Kriegsdrohungen in Zeiten von Friedensgesprächen. Sollten die Genfer Verhandlungen in drei Wochen tatsächlich weitergehen, ist die Situation in Syrien mit aller Wahrscheinlichkeit eine andere.

Angesichts solch trüber Aussichten wirken die Milliarden, die Deutschland und andere Länder für die Versorgung syrischer Kriegsflüchtlinge geben wollen, wie ein Eingeständnis des Versagens. Als „Tag der Hoffnung“ bezeichnete Kanzlerin Merkel die Geberkonferenz in London. Syrien braucht aber mehr als Geld und gute Worte.

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