Das Sanitätswesen der Bundeswehr gehört auf den Prüfstand.

Dass ein Wehrbeauftragter die Ausrüstung der Truppe bemängelt, ist nicht neu. Auch dass er unzureichende psychologische Betreuung anprangert, hören wir, seit deutsche Soldaten "in kriegsähnlichen Verhältnissen" Dienst tun. Dass der Aufpasser des Bundestages aber einen ganzen militärischen Organisationsbereich "vor die Wand gefahren" sieht und dem obersten Chef des Zentralen Sanitätsdienstes "klares Versagen" vorwirft, ist neu. Und ungeheuerlich. Aber - leider - nachvollziehbar.

Die Bundeswehr benötigt rund 3000 Sanitätsärzte. 600 fehlen ihr. Allein im vergangenen Jahr haben 130 Mediziner gekündigt - vor allem, weil sie im Zivilleben mehr verdienen, kein Einsatzrisiko haben und nicht von ihren Familien getrennt sind.

130 Ärzte sind ständig auf Auslandsmission. Die gleiche Anzahl bereitet sich zu Hause auf die künftige Aufgabe vor. Noch einmal 130 arbeiten ihren Einsatz ab und machen dann Urlaub. Die Notfall-Versorgung in der Ferne ist vielfach notdürftig: Etliche Ärzte in Uniform haben sich in der Heimat keine Routine in der Behandlung schwerstverletzter Patienten aneignen können. Im Feldlazarett arbeitet oft OP-Personal, das nur wenig aufeinander abgestimmt ist. Es reicht nicht, das alles zu beklagen - der oberste Dienstherr der Parlamentsarmee, der Bundestag, muss handeln.

Das gesamte Sanitätswesen gehört auf den Prüfstand. Welchen Sinn machen Bundeswehr-Krankenhäuser noch, wenn etwa in Koblenz eine Spezialabteilung "Verbrennungen" geschlossen wird? Warum werden nicht viel mehr Soldaten in zivilen Krankenhäusern behandelt? Wenn aber Militär-Kliniken erhalten werden - ist es dann nicht vernünftig, sie doppelt zu besetzen und dann ganze Teams in den Einsatz zu schicken? Oder ist es sinnvoller, von der Bundeswehr bezahlte Ärztegruppen bei zivilen Kliniken anzusiedeln, sie dort vielfältige Erfahrung sammeln zu lassen und dann in Krisengebiete abzukommandieren? Und schließlich: Werden die Militär-Mediziner angemessen bezahlt?

Der scheidende Wehrbeauftragte Robbe sagt, für die medizinische Versorgung der Soldaten sei es "nicht mehr fünf Minuten vor, sondern bereits fünf Minuten nach zwölf". Diese Uhr muss zurückgedreht werden - unsere Soldaten haben ein gesetzliches Anrecht auf Fürsorge.

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