WZ-Chefredakteur Martin Vogler
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Eine Bundestagsdebatte, die gestern vor relativ leeren Rängen und ohne hohe mediale Beachtung stattfand, hätte das Gegenteil verdient gehabt. In der Aktuellen Stunde ging es um die umstrittenen Thesen „Wege zum Kommunismus“, der Linken-Chefin Gesine Lötzsch.

Aus zwei Gründen hielt sich leider das Interesse in Grenzen: Gesine Lötzsch selbst blieb fern. Und die Linke hatte es dank Geschäftsordnungs-Tricks geschafft, die für Donnerstag geplante Debatte auf den Freitagnachmittag zu verschieben. Das ist der gnädigere Termin für sie, weil halb Deutschland und vor allem das politische Berlin schon geistig und oft auch körperlich im vorgezogenen Wochenende beziehungsweise im heimischen Wahlkreis ist.

Mit Lötzsch wäre es spannender und erhellender geworden. Der sie vertretende Ex-SPD-Mann Maurer wies zwar pflichtgemäß Vorwürfe zurück, bezog sich sogar darauf, dass die Idee des Kommunismus schon in der Bibel vorkomme, zeigte jedoch insofern Einsicht, dass er die Verbrechen Stalins und die Schrecken der Berliner Mauer einräumte. Es wäre interessant gewesen, ob Lötzsch, die zuletzt offen wie nie zuvor den Kommunismus als Ziel idealisiert hatte, ebenfalls zu solchen Eingeständnissen bereit gewesen wäre. Doch durch ihr Fernbleiben vermied sie jegliche Relativierung. Dies gehört wohl in eine ähnliche Kategorie wie ihre ausgebliebene Entschuldigung für das Verprügeln von Kritikern durch ihre Anhänger.

Gesine Lötzsch hat die Chance vertan, den verheerenden Eindruck, den ihre Veröffentlichung hinterlassen hat, zu korrigieren. Spätestens jetzt muss man sie als jemanden sehen, der brutal-direkt das Ziel Kommunismus verfolgt. Dabei paktiert sie mit einer Ex-Terroristin wie Inge Viett, die einen französischen Polizisten zum Krüppel schoss. Enteignungen sind kein Tabu. Und die Aufforderung an die Gesinnungsgenossen, sich in den bürgerlichen Staat hinein zu pressen, „bis wir alle Positionen besitzen und sie mit Zähnen und Nägeln verteidigen“, klingt fatal nach Diktatur.

Die Linke kann ihre Vorsitzende nicht ewig vor der Öffentlichkeit verstecken. Sie muss sagen, ob sie Lötzsch bedingungslos folgen will – und sich damit klar außerhalb unserer demokratischen Gesellschaft positioniert.

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