Im Streit um Lohn für Leiharbeit ist eine Einigung schwierig

Schaller, Bernd (bes)

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Das klingt schlicht wie eine Selbstverständlichkeit. Ist es aber nicht. Vielmehr entwickelt sich die Forderung in diesen Tagen zu einem Zankapfel, der den Parteien im Streit um die Neuregelung der Hartz-IV-Sätze schwer im Magen liegt. Denn auch wer Arbeit hat, ist von Sozialhilfe abhängig, wenn sein Tagwerk die Familie nicht ernährt.

So geht es laut Statistik fast 100 000 der insgesamt etwa 800 000 Leiharbeiter in deutschen Unternehmen. Sie leisten am Fließband, auf der Baustelle oder in der Fabrik dasselbe wie ihr festbeschäftigter Nebenmann, haben aber nur knapp die Hälfte des Geldes in der Lohntüte. Das soll sich ändern. Darin sind sich die Parteien im Bundestag im Prinzip einig.

Die Frage ist allerdings, wie lange der Leiharbeiter schlechtere Bezahlung ertragen muss, bis er denselben Lohn für dieselbe Leistung bekommt. SPD, Gewerkschaften und Grünen kann es dabei nicht schnell genug gehen, FDP und CDU treten auf die Bremse. Für beide Meinungen gibt es gute Argumente.

Wenn Leiharbeiter schon nach wenigen Wochen dasselbe verdienen wie Festbeschäftigte, dann könnten Unternehmen eher geneigt sein, gleich auf Fest-anstellung zu setzen und auf gemietete Kräfte zu verzichten, hoffen die SPD und ihre Mitstreiter. Außerdem ist es schlicht ungerecht, wenn zwei dasselbe tun, dafür aber unterschiedlich entlohnt werden.

Schwarz-Gelb hat die Gerechtigleitslücke durchaus erkannt, fürchtet aber um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, wenn die Schere zu schnell geschlossen wird. Für Unternehmer sind Leiharbeiter zwar nicht billiger, weil ja auch der Verleiher mitverdient. Aber geliehenes Personal macht Unternehmen flexibler, lässt sie leichter auf Auftragsschwankungen reagieren. Schon deshalb ist es verständlich, dass Arbeitgeberpräsident Hundt den Angriff auf die Leiharbeit verteufelt und ankündigt, Unternehmen würden eine neue Regelung unterlaufen.

Sollen Leiharbeiter besser gestellt werden, dann ist das von der Wirtschaft nicht zum Nulltarif zu haben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie für den Verlust an Flexibilität einen arbeitgeberfreundlicheren Kündigungsschutz fordert. Dann beginnt das Spiel von vorn.

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