Eines vorweg: Dass ledige Väter immer noch schlechter gestellt sind als verheiratete ist absolut nicht mehr zeitgemäß - schließlich leben immer mehr Paare ohne Trauschein zusammen. Und ebenso wenig kann automatisch davon ausgegangen werden, dass sich Single-Mütter nach einer Trennung besser um die Kinder kümmern als der Vater des Kindes. Genau das unterstellt der deutsche Gesetzgeber aber; der Regelung zufolge sind unverheiratete Männer naturgemäß Problemfälle. Damit werden ausgerechnet diejenigen bestraft, die ihre Kinder lieben, die für sie sorgen wollen und die mehr sein wollen als reine Geldgeber.

Bislang herrschte in Deutschland die Ansicht vor, dass Frauen gute Gründe haben, wenn sie ihrem Ex-Partner das Sorgerecht verweigern. Das mag in vielen Fällen auch berechtigt sein. Oft spielen bei der Entscheidung aber auch Gefühle und Verletzungen eine Rolle, manchmal ist die Versuchung einfach zu groß, den Partner für eine Trennung zu bestrafen. Im Interesse des Kindes ist das sicher nicht. Das Urteil der Straßburger Richter war demnach überfällig.

Wir brauchen eine Regelung, die jedem Elternteil dieselben Rechte einräumt, unabhängig vom Trauschein und vom Geschlecht. Väter sollten grundsätzlich mitentscheiden dürfen, welchen Kindergarten oder welche Schule ihr Zögling besucht. Im Streitfall müssen ohnehin die Gerichte vor Ort klären, welche Sorgerechts-Lösung die beste ist für das Kind. Gleichzeitig sollte das Urteil Väter aber auch daran erinnern, dass sie nicht nur gleiche Rechte, sondern auch gleiche Pflichten haben. Immer noch gibt es etliche, die sich nach der Trennung nicht mehr für ihre Sprösslinge interessieren, die sie nicht mehr sehen wollen und sogar bei den Unterhalts-Zahlungen Probleme machen.

Elternsein bedeutet, ein Leben lang Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet, nicht nur die Freude, sondern auch die Lasten zu teilen. Für den Nachwuchs da zu sein, sich zu kümmern, auch wenn der Terminkalender rappellvoll ist. Und es bedeutet, Streit und Verletzungen nach einer Trennung hinten an zu stellen und mit dem Ex-Partner zusammenzuarbeiten, so schwer es auch fallen mag. Schließlich steht an erster Stelle immer eines: das Wohl des Kindes.

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