Werner Kolhoff, Kommentarfoto 2015
Werner Kolhoff.

Werner Kolhoff.

Krohnfoto

Werner Kolhoff.

Es wirkt, als sei das Land seit der Bundestagswahl aus der Balance geraten. Es stehen schwierigste Koalitionsverhandlungen bevor. Die Kanzlerin hat zehn Tage nach der Wahl noch nicht einmal zu einem ersten Sondierungsgespräch geladen. Und die komplette politische Debatte dreht sich um die AfD. Da ist jeder überflüssige Streit einer zu viel. Wenigstens dort, wo sie Handlungsfreiheit haben, im Bundestag, sollten die anderen Parteien sich in dieser Situation zusammenreißen und schnell für Stabilität sorgen. Also Ruhe hineinbringen. Und sich umso mehr auf die zwingend notwendige Grundsatzdebatte mit den Rechtspopulisten stürzen: Es geht um Europa, Menschlichkeit und Demokratie.

Leider machen sie derzeit nicht den Eindruck, dass sie das verstanden hätten.

Das Fingerhakeln um Sitzanordnungen und Säle ist in dieser Phase nicht nur kindisch, es ist auch unverantwortlich. Und die angekündigte Ablehnung des AfD-Bewerbers für den der Partei zustehenden Job eines Bundestagsvizepräsidenten kommt wie ein Nachtreten rüber. Zwar ist die verkopfte Argumentation Albrecht Glasers in Sachen Islam kaum mit dem Grundgesetz zu vereinbaren. Aber das gilt bei diesem Thema wie bei der Ablehnung des Asylrechts auch für die gesamte Partei. Glaser ist unter den Rechtspopulisten noch ein Gemäßigter.

So neu ist es nicht, dass eine Protestpartei in den Bundestag zieht. Erst die Grünen, später die PDS. Auch sie haben das damals alles erlebt. Die etablierten Kräfte sollten aus diesen Zeiten gelernt haben: Gelassenheit und Großzügigkeit sind in solchen Situationen die einzig richtige Grundeinstellung.

Entweder solche Bewegungen wie jetzt die Alternative für Deutschland (AfD) bleiben länger – dann absorbiert das parlamentarische System sie recht zuverlässig. Oder sie verschwinden schnell wieder. Dann war es besser, ihnen nicht auch noch eine Märtyrerrolle zuzuweisen.

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