Schlichter-Vorschlag im Tarifkonflikt bei den Kitas

Im Dauer-Tarifkonflikt bei den Erzieherinnen und Sozialarbeitern stehen die Zeichen offenkundig auf Entspannung. Zahlreiche Eltern werden die Nachricht mit Erleichterung quittieren. Schwang doch in den zurückliegenden zwei Wochen immer eine Ungewissheit mit, ob ihre Sprösslinge nicht eines Tages erneut vor verschlossenen Kita-Türen stehen würden.

Nun scheint die Gefahr eines erneuten Zwangs zur Improvisation gebannt zu sein. In einer Stellungnahme zum Kompromisskatalog der Schlichter schlägt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi jedenfalls sehr moderate Töne an. Und das, obwohl der Schlichterspruch von der Forderung nach durchschnittlich zehn Prozent mehr Gehalt weit entfernt ist. Als gute Verhandlungsgrundlage für einen endgültigen Konsens taugt er aber allemal.

Ohnehin hat Verdi bereits ein starkes Signal gesetzt. Durch den hartnäckigen Arbeitskampf ist es gelungen, die gesellschaftliche Bedeutung der frühkindlichen Bildung und Erziehung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Auch wenn sich das noch nicht in genügend Euro und Cent auszahlen mag und es bis zu einer umfassenden Aufwertung des Erzieherberufs noch ein weiter Weg ist – diese Debatte wird nicht so schnell verschwinden.

Zumal der Staat die öffentliche Kinderbetreuung breit propagiert. Wenn die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf politisch gewollt ist, dann heißt das auch, politische Konsequenzen daraus zu ziehen. Und da genügt es eben nicht, nur mehr Kitas zu bauen oder einzurichten. Es muss auch genügend Betreuungspersonal zur Verfügung stehen. Und die Qualifikation muss stimmen. Also sollte auch der Bund mehr finanzielle Anstrengungen unternehmen. Die Kommunen sind damit überfordert. Nach einer Umfrage des DGB beklagen 40 Prozent der Erzieherinnen, dass sie sich wegen des enormen Arbeitspensums zu Abstrichen bei der Qualität gezwungen sehen. Ein Hilferuf, der hellhörig machen muss.

Übrigens: Die Möglichkeit einer qualitativ hochwertigen, öffentlichen Kinderbetreuung kann auch den individuellen Kinderwunsch nur bestärken. Hier ist gerade in Deutschland gelinde gesagt noch viel Luft nach oben.

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