Juliane Kinast
Juliane Kinast

Juliane Kinast

Judith Michaelis

Juliane Kinast

Landesweit einheitliche Kindergartenbeiträge – das gab es mal. 2006 schaffte die NRW-Regierung (auch eine schwarz-gelbe) sie ab und legte die Beitragshoheit im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung in die Hände der Jugendämter. Das Wirrwarr, dass im Land daraus entstand, ist enorm.

Das größte Problem ist das Gefühl der Ungerechtigkeit. Die Beiträge in der eigenen Stadt würden Familien vermutlich kaum hinterfragen, könnten sie diese nicht mit anderen Kommunen vergleichen. So aber sind die Fragen doch zulässig: Warum soll in Krefeld ein Geringverdiener schon ab 19 000 Euro Kita-Beiträge zahlen, wenn das in Düsseldorf erst bei 30 000 Euro der Fall ist? Und warum soll in Düsseldorf eine Familie mit insgesamt 80 000 Euro brutto im Jahr – was ein Maler-Geselle und eine Krankenschwester als Paar verdienen könnten – genauso den Höchstbeitrag zahlen wie eine Familie mit zwei Top-Managern, wenn in Krefeld bis zu einem Jahreseinkommen von 150 000 Euro aufgesplittet wird?

Natürlich gibt es von Stadt zu Stadt Besonderheiten – soziale Struktur, städtischer Haushalt. Aber es gibt Rahmenbedingungen, die universell gelten sollten. Der Bund der Steuerzahler schlägt etwa vor, die Beitragsfreigrenze für ganz NRW bei 30 000 Euro festzusetzen. Das ist ein sinnvoller Gedanke. Wer am Existenzminimum herumkrebst – trotz Job –, sollte nicht für die Betreuung zahlen müssen.

Andererseits muss man fragen: Wer so viel verdient, dass er sich eine Armada aus Au-pairs und Nannys leisten könnte – braucht der eine beitragsfreie Kita? Ist das gerecht? Die meisten Eltern sind zudem gerne bereit, einen angemessenen Beitrag zur anspruchsvollen Betreuung ihrer Kinder zu leisten – wenn dafür genug Personal mit guter Ausbildung, Material und so weiter zur Verfügung gestellt wird. Deshalb: Lieber angeglichene Beiträge in ganz NRW, fairer gestaffelt bis zu den Spitzenverdienern. Licht im Beitrags- dschungel ist wichtiger als Gratis-Kita.

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