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Peter Kurz

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Sergej Lepke

Peter Kurz

Gewählte Politiker haben die Macht zu gestalten. Daran gemessen klingt der Satz, den Union und SPD zum Thema „Medikamente im Onlinehandel“ in ihren Koalitionsvertrag geschrieben haben, geradezu zaghaft: „Um die Apotheken vor Ort zu stärken, setzen wir uns für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein.“ Gesetzgeber müssen sich nicht einsetzen. Sie müssen einfach nur machen, oder?

Doch die Formulierung ist wohl bewusst so vorsichtig gehalten. Rechtlich wäre es bedenklich, ein seit Jahren geräuschlos laufendes Geschäftsmodell einfach zu verbieten, aktiv in den Wettbewerb einzugreifen. Und so um einen Teil des Marktes – die stationären Apotheken – einen Schutzzaun zu ziehen. Mit diesem Plan war Gesundheitsminister Gröhe schon einmal gescheitert. Und selbst die FDP, die die Apotheker zu ihrer Wählerklientel zählen dürfte, stellte sich gegen eine „einseitige Parteinahme nur für einen Teil der Branche“.

Der Europäische Gerichtshof hat 2016 geurteilt, dass Online-Versender im Ausland nicht der deutschen Preisbindung verschreibungspflichtiger Medikamente unterliegen. Dadurch sahen sich stationäre Apotheken unter Druck. Die Billigkonkurrenz gefährde die flächendeckende Versorgung der jetzt noch rund 20 000 Apotheken, so wurde gewarnt. Doch ganz so schlimm kann es nicht sein. Oft genug finden sich zwei Apotheken in Sichtweite. Das Geschäft funktioniert, weil sie nicht fürchten müssen, dass der Wettbewerber ein paar Meter weiter sie unterbietet. Für eine Marktwirtschaft ist das untypisch.

Statt den Versandhandel zu verbieten, gäbe es noch einen anderen Ansatz, den die Politik verfolgen könnte: nämlich die Preisbindung verschreibungspflichtiger Medikamente insgesamt aufzuheben. Das würde schließlich auch dem solidarisch finanzierten Gesundheitssystem und dessen Beitragszahlern zugute kommen.

Und statt mit ihrer Lobby auf Schutzzäune zu drängen, sollten die Apotheken lieber argumentativ ihre Stärken ausspielen. Mit diesen Vorzügen müssten sie doch jenseits des Preises mit dem Versandhandel konkurrieren können: Die individuelle und gerade in gesundheitlichen Fragen wichtige Beratung. Und das Versprechen, dem Kunden das gewünschte Medikament sofort oder innerhalb weniger Stunden in die Hand drücken zu können. Im Übrigen aber soll dieser selbst scheiden, ob er vor Ort mit Beratung oder gegebenenfalls preisgünstiger im Internet einkaufen will.

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