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Lepke

Lepke

Lepke

Die Kommentare im Internet waren gestern erbarmungslos. „Über Köln lacht die Sonne, über Düsseldorf die ganze Welt“, hieß es da. Oder: „Düsseldorf: Zug abgesagt. Köln: Sturm abgesagt.“ Tief Ruzica fiel in der Landeshauptstadt dann doch nicht so heftig aus, wie vom Wetterdienst erwartet und verkündet. Und doch: Den Organisatoren der Rosenmontagszüge ob ihrer Absagen gestern Morgen nun nachträglich einen Vorwurf zu machen, wäre schlechter Stil. Insofern darf es gerne karnevalistischer und bisweilen auch bissiger Humor sein, der manchem Büttenredner noch Jahre Stoff bieten wird. Ernsthaft zu kritisieren ist die vermeintliche Mutlosigkeit aber nicht: Wie groß wäre das Geschrei gewesen, wenn die Naturgewalt Einwohnern und Gästen der Städte schweren Schaden zugefügt hätte?

Düsseldorf etwa hat gestern gezeigt, dass jene Verschwörungstheorien, nach denen der Karnevalszug allzu bereitwillig abgesagt worden wäre, um Terrorgefahren oder anderen Vorfällen „wider die Ordnung“ aus dem Weg zu gehen, nicht zutreffen: Politische Wagen mit mutiger und freier Meinungsäußerung sind gestern vor das Rathaus gerollt und blieben eben nicht unter Verschluss. Die Gefahr, dass jene Botschaften nicht mehr aktuell sein könnten, wenn der Zug an einem anderen Termin durch die Stadt rollen sollte, war den Organisatoren dann doch zu groß. Gut so!

Auch Köln hatte einen guten Kompromiss gefunden, angetrieben gewiss auch durch die unheilvollen Vorfälle der Silvesternacht und dem daraus resultierenden Vorsatz, wieder eine mutige und handlungsstarke Stadt zu sein. Motto: Wir können Großereignisse! So hat der Karneval im Zusammenspiel der Städte sein Gesicht nicht verloren, sondern gewahrt. Als Ereignis, dem man erkennbar viel, aber eben auch nicht alles unterordnet. Als leichter und satirischer Frohsinn, der allein von der Natur einzudämmen ist. Nicht mehr und nicht weniger. Freuen wir uns auf ein neues Fest, dann vielleicht im Frühjahr.

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