NRW-Innenminister Ralf Jäger sträubt sich noch, die Scherben aufzukehren, zu denen das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizeiarbeit nach den Exzessen in Köln zerborsten ist. Er will noch einen „detaillierten Bericht“ abwarten, den die in der Domstadt involvierten Beamten von Landes- und Bundespolizei in dieser Woche bei ihm abliefern müssen. Jäger hält sich von Kritik am Polizeieinsatz in der Silvesternacht betont zurück – noch.

Besonders eng dürfte es für Kölns Polizeipräsidenten Wolfgang Albers werden. Von seiner bisherigen Amtszeit seit Oktober 2011 bleiben gleich mehrere negative Ereignisse in Erinnerung. Die Hogesa-Ausschreitungen von eineinhalb Jahren stehen in seiner Bilanz, genau wie die nicht akzeptablen, widerlichen Aufnahmerituale, die SEK-Beamte an neuen Kollegen vollzogen haben. Fast zeitgleich war wieder eine Kölner SEK-Einheit in den Schlagzeilen, diesmal, weil sie für einen Vorgesetzten per Hubschrauber an der Spitze einer Rheinbrücke Abschiedsfotos geschossen hat. Auf Kosten des Steuerzahlers. In allen Fällen steht Albers als Polizeipräsident in der Verantwortung. Dennoch will er bleiben.

Jäger weiß, was die Menschen nun von Polizei und Innenministerium erwarten: eine Aufklärung der begangenen Verbrechen und eine kritische Analyse des Polizeieinsatzes inklusive Konsequenzen für die Zukunft. Ersteres wird aber nicht gelingen können. Für die mutmaßlich Dutzenden Täter ist es einfach, sich in der Metropole und im Umland in Luft aufzulösen. Zudem muss jedes einzelne Verbrechen eindeutig bewiesen und dem Täter zugeordnet werden. Wie soll das funktionieren?

Die Behörden stehen unter einem enormen Erfolgsdruck. Sie müssen Täter liefern, möglichst bald. Nur so können sie das erschütterte Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnen. Und es wird nicht zuletzt an Jäger liegen, den Menschen klarzumachen, dass nun akribische Ermittlungen geführt werden müssen – und dass dies einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer