Wie wir mit wirtschaftlichen Horrormeldungen umgehen.

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Martin Vogler, Westdeutsche Zeitung.

Martin Vogler, Westdeutsche Zeitung.

Martin Vogler, Westdeutsche Zeitung.

Neulich im Restaurant. Nur zwei Tische besetzt, wo einst ohne Reservierung nichts ging. Am nächsten Morgen Gespräch mit dem Nachbarn: Sein Betrieb hat Kurzarbeit eingeführt. Und das neue Auto will er vorsichtshalber jetzt auch nicht kaufen. Jeder erlebt solche Beispiele. Sie sind häufiger geworden. Wir nehmen sie allerdings - weil wir für das Thema Wirtschaftskrise sensibilisiert sind - auch stärker wahr. So hätten wir uns vor einigen Monaten in einem fast leeren Restaurant nur unbeschwert gefreut, dass uns die volle Aufmerksamkeit des Service gilt.

Dass die meisten heute pessimistischer gestimmt sind, viele Angst um die Existenz haben, hat neben persönlichen Erlebnissen viel mit den sich fast täglich überbietenden Negativprognosen von Ökonomen zu tun. Sie haben tendenziell sicherlich recht, dieses Jahr wird extrem schwer. Dafür gibt es eindeutige Indizien, beispielsweise den Auftragsrückgang von über 40 Prozent beim Maschinenbau im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat. In vielen wichtigen Branchen sieht es nicht viel besser aus.

Wir sollten die Prognosen also sehr ernst nehmen, sie jedoch dennoch relativieren. Denn die Frage, warum die gleichen Experten, die heute Horrormeldungen verbreiten, kürzlich die Rezession deutlich unterschätzten, darf man durchaus stellen. Folgefrage: Wie zuverlässig sind ihre jetzigen Vorhersagen? Vor allem sollten wir uns nicht total bange machen lassen.

Um unserer Psyche willen - und um die allgemeine wirtschaftliche Abwärtsspirale nicht weiter zu verstärken. Dazu gehört, auch positive Signale aufzunehmen. So gibt es durchaus Menschen, die in der jetzigen Zeit gutes Geld verdienen und entsprechend optimistisch nach vorne blicken.

Was übrigens gestern auch für Börsianer galt, bei denen der Leitindex 2,65 Prozent zulegte. Wenn wir der Erfahrung glauben, dass Börsenkurse wirtschaftliche Entwicklungen vorwegnehmen, ist das immerhin ein erfreuliches Signal, von einer Trendwende sind wir sicherlich noch weit entfernt.

Irgendwann wird es wirtschaftlich wieder besser werden. Ob das allerdings bereits im Sommer der Fall ist, kann niemand sagen. Wir können uns womöglich auf einen sehr hitzigen Bundestagswahlkampf im konjunkturellen Dauertief einstellen.

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