Ekkehard Rüger
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Ekkehard Rüger

Sergej Lepke

Ekkehard Rüger

Der berühmte Satz, der Islam gehöre zu Deutschland, verliert an Akzeptanz. Und selbst der regionalisierten Fassung, der Islam gehöre zum Ruhrgebiet, will dort nur noch jeder Zweite zustimmen. 2015 waren es noch 60 Prozent. Diese sinkende Zustimmung ist angesichts der Diskussionen und politischen Eruptionen seit der denkwürdigen Grenzöffnung für Flüchtlinge im September 2015 kein wirklich überraschender Befund. Aber sie verweist damit auf ein Grundproblem der Debatte um den Islam: Er ist – teils unabsichtlich, teils demagogisch gezielt – zu einem diffusen Sammelbegriff des Gefährlichen geworden.

Das Fremde der vielen Flüchtlinge, das Bedrohliche des Terrorismus, das Fanatische des Salafismus, das Nationalistische der Edogan-Anhänger: Alles schwingt heute mit, wenn Menschen das Wort Islam in den Mund nehmen. Differenzierung ist daher das Gebot der Stunde.

Aber die große muslimische Vielfalt in Deutschland erschwert sich ihre eigene Wahrnehmbarkeit dadurch, dass es sowohl auf kommunaler als auch auf Landesebene seit Jahren an wirklich repräsentativen Ansprechpartnern fehlt. Der neue Leiter der Integrationsabteilung im Landesministerium, Aladin El-Mafaalani, hat es am Mittwoch, so beschrieben: Auf staatlicher Seite wolle man es mit höchstens zehn Ansprechpartnern zu tun haben – treffe aber tatsächlich auf 30 000 Migranten-Selbstorganisationen von teils mikroskopischer Größenordnung. Das deutsche Denken in Dachverbänden ist vielen Muslimen völlig fremd. Dadurch erhalten die wenigen bestehenden Verbände wie die Ditib eine Bedeutung über Gebühr.

Zur Differenzierung gehört also weniger die Frage, ob oder wie viel Islam zu Deutschland gehört, sondern welche Formen des Islam sich mit unserer Gesellschaftsform vertragen. Denn schließlich hat knapp die Hälfte der Muslime längst einen deutschen Pass. Zu wem sollen sie – und damit auch ihre Religion – gehören, wenn nicht zu Deutschland?

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