Kommentar Individuelle Gesundheitsleistung, bezahlt vom Patienten

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Peter Kurz

Peter Kurz

Peter Kurz

Individuelle Gesundheitsleistung, kurz: Igel – das Wort passt so gar nicht zur Realität in vielen Arztpraxen. Was klingt wie eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Behandlung, ist in Wahrheit ein Massenangebot. Ein Angebot, das den Patienten aber oftmals sehr verunsichert.

Da bietet der Arzt zum Beispiel eine Früherkennungsleistung an, sagt aber im gleichen Atemzug, dass die Krankenkasse diese nicht bezahlt. Manch einer wird sich da überrollt fühlen von dem oftmals von Frauenärzten, Augenärzten oder Urologen gemachten Vorschlag. Die naheliegenden Fragen: Will der Mediziner nur zusätzliches Geld verdienen? Und wenn diese Leistung so nutzbringend ist, wieso zahlt das dann die Kasse nicht?

Selbst wenn es dem Patienten nicht auf die geforderten 20, 30, 50 oder mehr Euro ankommt, stellen sich doch jenseits des Geldes („Das sollte Ihre Gesundheit Ihnen doch wert sein“) weitere Fragen. Vor allem, wenn der Arzt oder seine Assistentin sagen oder suggerieren, dass der Patient sich später nicht beklagen dürfe, wenn ein Krankheitsbild unentdeckt bleibe. Diesem Druck sollte sich niemand einfach so beugen. Statt sofort ja zu sagen, sollte man sich Zeit nehmen, sich informieren.

Dass bei weitem nicht alles, was Mediziner als Igel anbieten, von Nutzen ist, vielleicht wegen der dadurch hervorgerufenen Verunsicherung sogar schaden könnte, kann der Patient selbst recherchieren. Der Igel-Monitor (leicht zu finden im Internet) bietet ausführliche Informationen über viele Angebote. Es ist ratsam, sich vor einem Arztbesuch darüber schlau zu machen, wie medizinische Fachleute etwa den PSA-Test beim Urologen oder die Laser-Behandlung von Krampfadern beurteilen.

Auch das von der Verbraucherzentrale betriebene Portal „Igel-Ärger“ hat seine Berechtigung. Würden die Ärztevertretungen Missständen in der Patientenansprache in einem wirksamen Selbstreinigungsprozess abhelfen, gäbe es kaum die zahlreichen Beschwerden bei den Verbraucherschützern. Diese ernst zu nehmen, schulden die Mediziner ihrem Patienten. Dass Ärzte auch Unternehmer sind, ist ihnen zuzugestehen. Doch sollten sie dabei nicht ihre Stellung als Vertrauensperson verspielen.

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