BMS - Redakteur Stefan Vetter  in Berlin am 10.03.2015.
Ein Kommentar von Stefan Vetter.

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k r o h n f o t o . d e

Ein Kommentar von Stefan Vetter.

Für fast zehn Millionen Beschäftigte in Deutschland werden im kommenden Jahr die Tarifverträge neu ausgehandelt. Eine Branche kann sich dabei einer besonders hohen Aufmerksamkeit sicher sein: die Metall- und Elektroindustrie. Für ihre 3,9 Millionen Mitarbeiter geht es nicht nur um mehr Geld, sondern um ein neues Arbeitszeitmodell, das Geschichte schreiben könnte. Es geht um das Recht, im Job zeitweise kürzer zu treten, um anschließend wieder in Vollzeit zu wechseln.

Es wäre eine Revolutionierung der Arbeitswelt. Kein Wunder, dass der Ton zwischen den Tarifpartnern der Branche deshalb schon an Schärfe gewinnt, noch bevor die Verhandlungen überhaupt richtig in Gang gekommen sind. Die IG Metall droht bereits mit flächendeckenden Streiks, um ihre Forderung durchzusetzen. Und sie hat gute Karten. Zum einen, weil sich die deutsche Wirtschaft in einem Dauerhoch befindet. Auch in der Metall- und Elektroindustrie sind die Auftragsbücher randvoll. Einen längeren Arbeitskampf dürften die Unternehmen schwerlich riskieren. Zum anderen hat die IG Metall mit ihrer Forderung den Nerv einer Gesellschaft getroffen, in der man sich durch Arbeitsverdichtung und ständige berufliche Verfügbarkeit einer wachsenden psychischen Belastung ausgesetzt sieht.

Bereits heute gibt es ein Recht, von Vollzeit in Teilzeit zu wechseln. Doch wer sich dafür entscheidet, kommt davon kaum mehr weg und gerät so beruflich ins Abseits. Also muss es endlich auch umgekehrt gehen.

Das SPD-geführte Bundesarbeitsministerium hat dazu übrigens schon in der vergangenen Wahlperiode einen Gesetzentwurf vorgelegt. Doch am Ende spielte die Union nicht mit. Bei den anstehenden Sondierungen über eine Neuauflage der großen Koalition wird das Thema von den Genossen garantiert wieder aufgerufen. Und die IG Metall liefert dafür die tarifpolitische Begleitmusik.

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