Obama will Amerika von einem Symbol der Hybris befreien.

WZ-Redakteur Christoph Lumme
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Präsident Barack Obama hat noch in der Nacht der großen Emotionen damit begonnen, eines der Schandmale der Ära George W. Bush zu beseitigen.

Das amerikanische Internierungslager für Terroristen in der Guantánamo-Bucht ist zum Symbol einer Demokratie geworden, die vorgab, für die Freiheit in den Krieg zu ziehen, in Wirklichkeit aber ihre eigenen Werte verriet. Es ist zur Chiffre einer Rechtsstaatslosigkeit geworden, die jenen in die Hände spielt, die Amerika schon lange jede moralische Vorbildfunktion abgesprochen hatten. Zuletzt prägten Abu Ghraib und Guantánamo das Image des Landes stärker als die ehrwürdige Statue of Liberty mit ihren Idealen Freiheit, Güte und Gerechtigkeit.

Barack Obamas erste Amtshandlung ist folgerichtig, will er sich seinen amerikanischen Traum erfüllen, die Werte der Nation grundlegend zu erneuern. Die Regierung Bush stand für Geschichtsvergessenheit, für die Vermessenheit, sich ohne Skrupel über Menschenrechte hinwegzusetzen. Sie stand für Größenwahn und Hybris. Sie stand für einen Machtrausch, der nach dem Zerfall der Sowjetunion immer stärker Besitz von der verbliebenen Supermacht ergriffen hatte.

Obama setzt seine Begriffe Demut und Verantwortung dagegen, verspricht, ein dienender Präsident zu sein, einer, der tief in die Geschichte hineinhorcht, um das verschüttete Selbstverständnis und Selbstbewusstsein Amerikas wieder freizulegen. Dazu bedarf es, die Schande der jüngsten Vergangenheit zu beseitigen. Wer sich vom Symbol Guantánamo befreit, der befreit das ganze Land.

Doch mit der schäbigen Hinterlassenschaft seines Vorgängers hat Barack Obama auch ein Rechtsdilemma geerbt. Um das Lager tatsächlich wie im Wahlkampf versprochen innerhalb von 100Tagen schließen zu können, müsste die US-Regierung umgehend entscheiden, welche der 250Häftlinge sofort freigelassen und gegen welche sofort Anklage erhoben wird. Das jedoch dürfte sich als schwierig erweisen. Da die Geständnisse unter Folter erpresst wurden, bleiben die geheimdienstlichen Akten vor ordentlichen US-Gerichten wertlos.

Nein, leicht wird es für den 44.Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht, seine Nation vom Fluch der Bush-Jahre zu befreien.

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