Stefan Küper kommentiert die Debatte um die geplante Heraufsetzung der Eigenbedarfsgrenze bei weichen Drogen.

Die Debatte um die Frage, ob eine Heraufsetzung der Eigenbedarfsgrenze ein gefährliches Signal an Jugendliche sendet, ist an sich schon ein Warnsignal.

Man fragt sich: Wie steht es eigentlich um die Suchtaufklärung von Jugendlichen, wenn befürchtet werden muss, dass sie anhand solcher Gesetzesänderungen einzuschätzen versuchen, wie gefährlich Drogen wirklich sind? Müssten sie die Antwort nicht längst kennen? Wird nicht an jeder Schule eindringlich vor Drogen gewarnt?

Ungefähr jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat Erfahrungen mit Cannabis gemacht. Schon diese Tatsache zeigt, dass offenbar ein Großteil der Aufklärung bisher ins Leere läuft. Experten führen das auch darauf zurück, dass das Thema Drogen in der Schule und außerhalb oft nur ritualisiert behandelt wird.

Mit "Finger weg von den Drogen" ist es eben nicht getan - dadurch wird der "Selbstversuch" unter Umständen noch interessanter. Vor allem in Zeiten, in denen Jugendliche im Internet schnell Seiten finden können, auf denen die Gefahren "weicher" Drogen wie Cannabis und Marihuana heruntergespielt werden.

Die Schule kann junge Menschen natürlich nicht davor bewahren, in Gruppen zu geraten, in denen sie Kontakt zu Drogen bekommen. Sie kann aber dafür sorgen, dass sie wirklich umfassend über die Risiken Bescheid wissen.

Und vor allem: Dass sie sich nicht so einfach mit Behauptungen von fragwürdigen Internetseiten abspeisen lassen. Dafür benötigen Lehrkräfte und außerschulische Berater allerdings mehr Zeit und besseres Unterrichtsmaterial. Gute Drogenprävention benötigt also auch mehr Geld.

Justizminister Thomas Kutschaty hat angekündigt, dass sich die Landesregierung auf die Prävention konzentrieren will. Wenn sie das ernst meint, muss sie die nötigen Mittel dafür nun bereitstellen. Das wäre ein großer Fortschritt.

Die Heraufsetzung der Eigenbedarfsgrenze kann zwar als Signal missverstanden werden, dass Drogenkonsum nicht so schlimm sei. Aber dieser Eindruck würde durch gute Aufklärung korrigiert.

Zudem müssen Jugendliche, auch wenn bei ihnen nur geringe Mengen Drogen gefunden wurden, in der Regel auch künftig zur Suchtberatung. Das ist erfolgversprechender als eine Strafe.

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