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Olaf Kupfer

Olaf Kupfer

Sergej Lepke

Olaf Kupfer

Mehr als eineinhalb Jahre wird es noch dauern, bis in Nordrhein-Westfalen in Kraft tritt, was am Ende ein großer Schritt, aber eben auch nicht mehr als ein Kompromiss ist. Eben ein Ausgleich aus den Landtagswahlversprechen von CDU und FDP, die geprägt waren von der eigenen Verunsicherung in der Schulfrage: Immerhin waren die Parteien dereinst Verfechter von G 8 – und eine komplette Rolle rückwärts der einst mit Verve vorgetragenen Argumente wollte niemand im Wahlkampf machen. Jetzt ist der Kompromiss kompliziert – das wurde gestern bei der Vorstellung in Düsseldorf mit ganz vielen Fragen und noch mehr ungeklärten Sachverhalten deutlich. Und: Dieser Kompromiss ist nicht wirklich geeignet, Ruhe in die Schulen von Nordrhein-Westfalen zu bringen, nach der diese sich so sehr sehnen.

Die Wahrheit ist: Die Leitentscheidung für G 9 bei gleichzeitiger Möglichkeit für G 8 ist inkonsequent und inzwischen gesellschaftlich auch kaum mehr gewollt. Sie ist ein Überbleibsel aus verrotteter G 8-Überzeugung und ein letztes Zugeständnis an die eigenen Wahlversprechen, die vor allem die FDP nicht preisgeben konnte. Dabei hat sich der liberale Grundgedanke, die Schulen selbst entscheiden zu lassen und sie vom Gängelband der Landespolitik zu lassen, in der Praxis nicht bewährt.

Schulen taugen nicht als Taktgeber der eigenen Interessen in einem Konkurrenzkampf zwischen den Anstalten. Sie verlangen nach Einheitlichkeit und Klarheit, die den Rahmen für ihre eigentliche Aufgabe geben: sich dem Schüler zu widmen. Nicht umsonst haben die kommunalen Spitzenverbände zuletzt vor allem Einheitlichkeit gefordert. Vergebens.

Dabei hätte es doch auch andere Wege gegeben, dem Wunsch nach schnellerer und verdichteter Schulkarriere nachzukommen. Schüler, die ihren Mitschülern weit voraus sind, könnten auch in einem landesweiten G 9 im Rahmen von individueller Förderung Schulklassen überspringen.

Der ohnehin schon unansehnliche Flickenteppich in der republikweiten Schullandschaft ist mit der neuen NRW-Lösung nicht schöner geworden. Welche Probleme die konkrete Umsetzung noch nach sich ziehen wird, ist in Gänze heute noch gar nicht abzusehen. Wohl ist das aber die Prognose: Spätestens nach der laufenden Legislaturperiode wird sich G8 aus der NRW-Landschaft komplett verabschieden. Man hätte das früher haben können. Schon jetzt.

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