BMS - Redakteur Stefan Vetter  in Berlin am 10.03.2015.
Stefan Vetter

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k r o h n f o t o . d e

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Gleichstellungsbeauftragte werden nicht selten belächelt. Es war sogar ein sozialdemokratischer Bundeskanzler, der dieser Geringschätzung mit einer eingängigen Bemerkung politisch Vorschub geleistet hat: „Gedöns“. Darunter firmierte in der Amtszeit von Gerhard Schröder alles, was mit Frauen und Familie zu tun hatte. Typisch Macho eben. Spätestens seit den einschlägigen Untersuchungen über die spärliche Präsenz von Frauen in Führungspositionen sollte allerdings klar sein, dass geschlechtsbedingte Benachteiligungen in Deutschland durchaus ein reales Problem sind und nicht nur Stoff für irgendwelche Witze am Stimmtisch.

Einen bis dato kaum beachteten Aspekt dieses Problems hat nun die Antidiskriminierungsstelle des Bundes näher unter die Lupe genommen. Insbesondere für Dienstleistungen müssen Frauen demnach zum Teil deutlich tiefer in die Tasche greifen als männliche Verbraucher. Das mutet schon deshalb paradox an, weil Frauen zumeist in geringer bezahlten Jobs arbeiten als Männer. Zwar sollte man das Problem nicht überdramatisieren, denn es handelt sich nicht um ein Massenphänomen. Auch mag die Reinigung einer aufwendig gefertigten Rüschenbluse durchaus einen höheren Aufwand rechtfertigen als die eines einfachen Herrenhemdes und damit auch einen höheren Preis. Auch deshalb, weil das anschließende Bügeln der Bluse komplizierter sein dürfte. Wenn der Friseur für einen Kurzhaarschnitt bei Frauen allerdings deutlich mehr verlangt als für einen vergleichbaren Schnitt bei Männern, dann ist das wirklich nicht nachzuvollziehen. Genauso wenig wie die Tatsache, dass zum Beispiel Rasierklingen für Frauen und Männer unterschiedlich viel kosten, obwohl der Unterschied praktisch nur in der Farbe der Verpackung des Produkts besteht – rosarot für Frauen, blau für Männer.

Im Kern gibt es dafür eine ebenso schlichte wie fragwürdige Erklärung: Weil das schon immer so war. Weil das den alten Rollenmustern entspricht. Auch nehmen die allermeisten Frauen bisher keinen Anstoß an den unterschiedlichen Preisen, wie Verbraucherschützer zu berichten wissen. Den Frauen kann man daher nur raten, das Preisgefüge künftig selbst stärker zu hinterfragen. Die jüngste Untersuchung liefert dafür viele Argumente. Und genau deshalb ist es auch gut, dass es Gleichstellungsexperten gibt, die solches „Gedöns“ zum Thema machen.

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