Versagen die Schulen bei der Wissensvermittlung? Drohen uns amerikanische Zustände? In den USA tobt der Disput Evolutionslehre contra Kreationismus viel stärker als hierzulande.

Ein Riss geht durch die Gesellschaft: Während die Biowissenschaftler jenseits des Atlantiks weltweit führend sind, hält eine Mehrheit der Bevölkerung das Fundament ihrer Forschung für Unsinn. Doch auch bei uns bezweifeln etwa 30 Prozent die Evolutionstheorie. Mag sein, dass das Darwin-Jahr und dessen mediale Begleitung kurzfristig zu mehr Akzeptanz führen. Doch das wird verpuffen.

Ist es ein Wunder, dass Schüler, die erst in Klasse 9 mit dem Thema Evolution konfrontiert werden, bereits geprägt sind und auf Abwehr schalten? Bis dahin nehmen sie die Schöpfungsgeschichte, vermittelt durch Kinderbibel, Kindergarten, Kirche und Religionsunterricht, für bare Münze. Die Konsequenz kann nur sein: Mehr Evolutions-Unterricht, und vor allem, in früheren Jahrgängen.

Nun gibt es - nicht nur in den USA - die Forderung, dann müsse aber auch das kreationistische Gegenmodell im Biologieunterricht der Evolutionslehre gegenübergestellt werden. Doch zu Recht lehnen Wissenschaftler eben das ab. Natürlich darf jeder glauben, was er möchte. Doch Wissenschaft darf nicht zur Ansichtssache verkommen. Sonst könnte sich der Biologielehrer ja genauso gut erst einmal mit der Theorie befassen, es sei vielleicht der Storch, der die Kinder bringe.

Selbstverständlich muss ein Biologielehrer auf Einwände seiner Schüler eingehen. Denn mit immer neuen Argumenten bezweifeln Kreationisten die Evolution und versuchen ihren Glauben, dass Gott alle Arten gleichzeitig auf den Planeten gesetzt hat, zu untermauern.

Dabei lässt sich gerade dieser Grundthese trefflich entgegenhalten: Warum hat der Schöpfer dann so viel herumexperimentiert und zum Aussterben verdammte Wesen - Beispiel Dinosaurier - geschaffen? Ein intelligenter Designer, der selbst die Krone seiner Schöpfung mit Mängeln wie Krebs und Aids "ausstattet", wäre doch wohl eher ein schlechter Handwerker.

Aber mit solch einer Idee können Kreationisten offenbar besser leben als mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass wir Menschen eben auch Affen in unserer Verwandtschaft haben.

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