Beschämender kann eine Presseerklärung kaum sein: „Ausgelassene Stimmung – Feiern weitgehend friedlich.“ So schrieb die Kölner Polizei am Morgen des 1. Januar. Tage später räumt Polizeipräsident Wolfgang Albers zwar Fehler in der Kommunikation ein. Aber er beharrt darauf, dass die Polizei „mit starken Kräften“ im Einsatz gewesen sei. Interne Berichte von Beamten zeichnen allerdings ein völlig anderes Bild: Demnach haben die Polizisten immer wieder verzweifelt um zusätzliche Kräfte gebeten – ohne Erfolg. Offenbar gab es vor und im Kölner Hauptbahnhof einen rechtsfreien Raum. Frauen konnten nicht geschützt, Täter nicht dingfest gemacht werden. Das ist verheerend. Denn die Menschen vertrauen darauf, dass der Staat sie vor Schaden bewahrt, dass er sein Gewaltmonopol ausübt. In Köln war das nicht der Fall.

Wer nach Schuldigen sucht, kommt an Wolfgang Albers nicht vorbei. Er trägt als Polizeipräsident die Verantwortung für die miserable Organisation und muss gehen. Zumal es nicht neu ist, dass der Mob in der Domstadt ungehindert wütet. Im Oktober 2014 verletzten 4000 überwiegend junge Männer 45 Polizisten. Damals sprachen die Täter Deutsch, trugen Glatze und nannten sich „Hooligans gegen Salafisten“. Diesmal handelt es sich um Täter, die laut Zeugenaussagen arabisch oder nordafrikanisch aussahen. Das nährt den ungeheuerlichen Verdacht, hier würden sich ausländische Männer unbehelligt an deutschen Frauen vergreifen. Schon wird über die möglichst schnelle Abschiebung von Flüchtlingen diskutiert. Dabei waren, so weit, bekannt allenfalls einzelne Flüchtlinge unter den Tätern.

Die zentrale Dimension der schrecklichen Kölner Ereignisse ist eine ganz andere: Gewalt gegen Frauen. Selbstverständlich muss es erlaubt sein, danach zu fragen, ob die Herkunft der Täter von Köln etwas mit der Art der Tat zu tun haben könnte. Und wir müssen darüber reden, dass unsere Vorstellungen von der Gleichberechtigung der Geschlechter in vielen Gegenden dieser Welt nicht geteilt werden. Aber Gewalt gegen Frauen gehört zum Alltag. Es gibt sie auf Schützenfesten und an Karneval. Vor allem aber gibt es sie Zuhause. Die Täter sind Partner, Nachbarn, Bekannte. Entscheidend ist, sie alle gleich zu behandeln, ohne Ansehen von Nationalität, Hautfarbe oder Sprache. Frauen fordern Respekt für sich, in jeder Situation, an jedem Ort, zu jeder Zeit. Sie haben jedes Recht dazu.

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