Annette Ludwig
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Sergej Lepke

Annette Ludwig

Die Ergebnisse des „Ernährungsreports 2017“ klingen paradox: Die große Mehrheit der Deutschen ist bereit, mehr Geld für Lebensmittel aus artgerechter Tierhaltung auszugeben. Gleichzeitig schaut mehr als die Hälfte beim Einkauf auf den Preis der Lebensmittel. Kochen würden die meisten auch gerne, sie tun es aber nicht. Sie greifen vermehrt zu Fertiggerichten, was oft teurer ist, als selbst zu kochen.

Die Ergebnisse sind ein Spiegel unserer Zeit. „Bio“ gilt zwar als hip und gesellschaftlich opportun. Doch im Supermarkt entscheiden sich die Kunden mehrheitlich für das billigere Stück Fleisch. Dort ist nämlich das Tierwohl ganz weit weg. In den meisten Haushalten haben sich zudem die Tagesabläufe verändert: Kochen, gemeinsam essen – einen Fixpunkt am Tag zu schaffen, wo die Familie zusammenkommt, das hat oft keine Priorität mehr. Viele Kinder wissen etwa kaum noch, wie eine frisch gekochte Tomatensoße schmeckt. Sie würde ihnen wahrscheinlich auch gar nicht schmecken.

Ist es also an der Zeit, Ernährung als Schulfach einzuführen? Kindern beizubringen, wie viel Zucker, Fett oder Geschmacksverstärker in Fertigkost stecken? Wie Joghurt mit frischem Obst schmeckt? Erstaunlicherweise wünschen sich genau das 89 Prozent der Befragten – und auch der Bundesagrarminister ist dafür.

Schule kann aber nicht für jedes Thema ein Fach einführen, nur weil die Gesellschaft oder der Staat nicht weiter wissen. Zudem können Lehrer auch in klassischen Fächern Wissen über Vitamine, Massentierhaltung oder Lebensmittelzusatzstoffe vermitteln. Der Bundesagrarminister sollte sich lieber konkret darum bemühen, dass die Qualität der Essen in Kitas, Schulen, Krankenhäusern und Altenheimen stimmt. Denn dort regiert meist der Preis.

Der Verbraucher kann sich nicht damit herausreden, er wisse nichts von Massentierhaltung und Chemie im Essen. Er selbst muss aber bereit sein, daraus Schlüsse zu ziehen.

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