Griechen stehen morgen vor einer entscheidenden Wahl

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Rolf Eckers

Rolf Eckers

Rolf Eckers

Noch ist John Milios hierzulande eher unbekannt. Aber das wird sich sehr wahrscheinlich rasch ändern. Der 63-Jährige fungiert als wichtigster Wirtschaftsberater von Alexis Tsipras, dem Chef des Linksbündnisses Syriza. Und dieses Bündnis liegt in allen Umfragen vor den morgigen Wahlen deutlich vor den regierenden Konservativen. Viel spricht also dafür, dass der neue Ministerpräsident Griechenlands nicht mehr Antonis Samaras, sondern Tsipras heißen wird.

Droht damit ein Erdbeben in Euroland? Müssen wir um unser Geld bangen? Nein, müssen wir nicht! Warum das Linksbündnis nicht mehr als Schreckgespenst taugt, zeigen die gemäßigten Positionen, die Chefökonom Milios in jüngster Zeit vertritt. Er spricht nicht mehr davon, die Kreditvereinbarungen mit den Geldgebern Griechenlands zu zerreißen. Der Ruf nach einem Schuldenschnitt taucht nicht mehr auf.

Die Rede ist jetzt von Verhandlungen, wie die Schuldenlast gemindert werden kann. Und genau so könnte es laufen: Die Schulden selbst werden nicht reduziert, aber die Kreditkonditionen erleichtert. Griechenland hätte deutlich mehr Zeit, die Darlehen zurückzuzahlen und die Reformauflagen abzuarbeiten.

Sollte das Linksbündnis diesen Weg der Kooperation wider Erwarten nicht gehen, bricht die Welt ebenfalls nicht auseinander. Eine Eurozone ohne Griechenland gilt inzwischen als ungefährlich. Die Erpressbarkeit Europas ist erheblich geringer als vor drei, vier Jahren, weil sich andere Problemländer wie Portugal, Spanien oder Irland erholt haben. Nichts spricht deshalb dafür, dass Tsipras und Milios auf Konfrontation setzen.

Die Chancen von Regierungschef Samaras, an der Macht zu bleiben, stehen schlecht. Nach sechs Jahren Rezession sind die Griechen zermürbt. Jeder Vierte ist ohne Arbeit, jeder Dritte lebt an der Armutsgrenze. Die Griechen lasten ihm an, das sogenannte Spardikat aus Brüssel und Berlin ohne Gegenwehr in die Tat umgesetzt zu haben.

Dass Samaras jede Menge richtig gemacht hat, wird ihm morgen nicht helfen. Er ist der Sündenbock. Aber sein mutmaßlicher Nachfolger Tsipras hat längst begriffen, dass er den Reformkurs des Landes im Grundsatz fortsetzen muss.

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