Rolf Eckers
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Nele Eckers

Rolf Eckers

Was zahlreiche Piloten von Air Berlin am Dienstag veranstaltet haben, war ein wilder Streik, eine Revolte mitten im Überlebenskampf ihrer insolventen Fluglinie. Rund 200 von 1500 Piloten meldeten sich spontan krank, weit mehr als 100 Flüge mussten gestrichen werden. Hintergrund des Aufstandes dürfte die Angst sein, dass es mit der üppigen Entlohnung bei den Flugzeugführern sehr bald vorbei sein wird. Manche altgedienten Air-Berlin-Piloten verdienen brutto noch 200 000 Euro oder mehr im Jahr. Damit ist es ganz sicher vorbei. Viele Kapitäne werden überhaupt keinen Platz mehr im Cockpit haben, wenn sie nicht zu erheblichen Abstrichen beim Einkommen bereit sind.

Alles spricht dafür, dass die Lufthansa den größten Teil der zahlungsunfähigen Air Berlin übernehmen wird. Noch am Tag der Insolvenz Mitte August beeilte sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mitzuteilen, dass die Verhandlungen der Pleitelinie mit der Lufthansa weit fortgeschritten seien. Es riecht nach einem abgekarteten Spiel. Dazu passt vortrefflich, dass Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann bis vor wenigen Monaten Manager bei Deutschlands größter Fluglinie war. Ziel der Lufthansa ist es, ihre Billigtochter Eurowings mit den Flugrechten und Maschinen von Air Berlin stärker zu machen. Das Interesse an den mehr als 8000 Air-Berlin-Mitarbeitern ist dagegen gering, insbesondere kann Eurowings keine teuren Piloten gebrauchen.

An diesem Freitag endet die Bieterfrist, eine Entscheidung über das Schicksal von Air Berlin fällt am 21. September. Wenig spricht dafür, dass ein Großteil der Arbeitsplätze erhalten bleiben kann. Mit ihrem wilden Streik haben die Piloten die Verhandlungsposition des Insolvenzverwalters weiter geschwächt. Eine kleine Gruppe der Belegschaft versucht verzweifelt, ihre Pfründe zu sichern. Von firmeninternen Absprachen mit Flugbegleitern, Verwaltungs- oder Bodenpersonal ist jedenfalls nichts bekannt.

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