Erzeuger sehen sich als Opfer krimineller Giftpanscher

Dehniger, Jürgen JD

Das Unappetitliche am jüngsten Lebensmittelskandal ist nicht nur das Dioxin im Tierfutter. Auch nicht, dass die Giftmischerei bereits im März nachgewiesen und seitdem vertuscht worden ist. Wütend macht, dass niemand die Verantwortung dafür übernehmen will.

Die Bauern nicht, die ihre Tiere mit dem verseuchten Futter gemästet haben. Die Behörden nicht, die zwar kontrollieren sollen, aber angeblich mangels Personal nicht können. Und die Politik schon mal gar nicht, die jetzt mit wohlfeilen Forderungen nach Konsequenzen das populistische Trömmlein schlägt.

Die Erzeuger, die laut nach einem Entschädigungsfonds rufen und Geld für Verdienstausfälle fordern, bewegen sich auf dünnem Eis. Schließlich sind ihre Betriebe keine Höfe mehr wie zu Großmutters Zeiten mit zwei Dutzend Hühnern, sondern gigantische Anlagen mit zehntausenden Tieren. Kreaturen, für die der Halter Verantwortung hat – er sollte zumindest wissen, was er ihnen in die Tröge kippt. Zu behaupten, Bauern seien Futterpanschern schutzlos ausgeliefert, ist scheinheilig und falsch. Schließlich könnte man stutzig werden, wenn das eine Futtermittel viel billiger ist als das andere.

Sicher, man darf nicht die gesamte Branche über einen Kamm scheren. Es gibt aber keinerlei Anlass, der Landwirtschaft pauschal eine weiße Weste zu attestieren. Die Lebensmittelskandale der Vergangenheit haben das gezeigt. Deshalb ist es richtig, verdächtige Betriebe vorübergehend zu schließen – auch, wenn ihre Zahl in die Tausende geht und es auch Erzeuger trifft, die sauber arbeiten. Das hat nichts mit Sippenhaft zu tun, sondern mit angemessenem Handeln. Was seit Jahren versäumt wurde. Wie anders ist zu erklären, dass sich die Aufsichtsbehörden bei Kontrollen der Futtermittelproduktion auf die Analysen aus den Labors der Hersteller verlassen?

Die Politik, die den Panschern jetzt ein Höchstmaß an krimineller Energie unterstellt, könnte an dieser Stelle eingreifen. Es reicht nicht, hinterher harte Strafen zu fordern oder Namen von schwarzen Schafen zu publizieren, wenn man vorher keine Strukturen geschaffen hat, die gewerbsmäßige Giftmischerei verhindern. Erst wenn diese da sind, können sich Landwirte auch wieder auf ihre Lieferanten verlassen.

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