Warum die Poltikstudie nicht zur Schelte taugt.

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Von Wibke Busch.

Von Wibke Busch.

Von Wibke Busch.

Klagen über den Sittenverfall der Jugend sind wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Das beginnt bei der Mode, geht weiter über den Musikgeschmack, den Lebenswandel und den Drogenkonsum bis hin zum angeblich so großen Desinteressen der jungen Leute an Politik.

Und haben wir es mit der neuen Studie nicht wieder einmal schwarz auf weiß, dass sich die unter 25-Jährigen für alles interessieren, nur nicht für das, was gerade um sie herum auf der Welt passiert? Die Antwort lautet Nein, denn die Untersuchung taugt bei genauerem Hinsehen nicht für Jugendschelte.

Wer sich die Entscheidungen auf Kommunalebene anschaut, den dürfte das geringe Interesse der Jugendlichen und jungen Erwachsenen kaum überraschen. Nur wer ein Haus gekauft oder gebaut hat, regt sich über die erneute Erhöhung von Müllgebühren und Grundsteuer auf. Nur wer kleine Kinder hat, der ärgert sich über den Mangel an Betreuungsplätzen in einer Kommune.

Und nur wer nicht mehr regelmäßig am Samstagabend in der Disko abrockt, mokiert sich über das miserable Kulturangebot in seiner Stadt. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass Entscheidungen in einer Kommune, die das ureigene Interesse der Jugendlichen berühren, diese auch mobilisieren.

Dem Klischee von der Politikverdrossenheit der Jugend widerspricht zugleich, dass die unter 25-Jährigen sich fast genauso stark für die Bundes- und die Landespolitik interessieren wie die älteren Wahlberechtigten. Hier geht es um Rente und Gesundheitspolitik, um Umweltschutz und die wachsende öffentliche Verschuldung - kurz gesagt: Hier geht es um die Zukunft der jungen Generation. Und dass die Jugend Europapolitik für interessanter hält als die Älteren, stimmt hoffnungsfroh. Das zeigt, dass eine Generation echter Europäer heranwächst, die keine Grenzschranken mehr kennt.

Die vergleichsweise geringe Wertschätzung der Jugend für die Demokratie dagegen ist mehr als nur bedenklich. Sie zeigt, dass unsere Regierungsform auch mehr als 60Jahre nach dem Ende der Nazidiktatur und 20 Jahre nach dem Fall der Mauer keine Selbstverständlichkeit ist. Und sie zeigt, dass wir mit der Politikverdrossenheit der Demokratieverdrossenheit Vorschub leisten.

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