Bisher war die Wut deutscher (Diesel-)Autofahrer vergleichsweise mild. Die Hersteller verkaufen Fahrzeuge, die nicht halten, was sie versprechen? Finanzielle Entschädigung dafür gibt es in den USA, aber nicht hier? Alles nicht toll, aber Volkes Zorn beschäftigt sich immer noch bevorzugt mit (kaum noch einreisenden) Flüchtlingen. Das könnte sich freilich bald ändern: Denn wenn (Diesel-)Autofahrer künftig nicht mehr in die deutschen Innenstädte fahren dürfen – und ihren Stinker dann wohl auch nicht mehr zu einem angemessen Wert verkaufen können, könnte Volkes Zorn doch noch in Wallung geraten.

In der Tat sieht es jetzt so aus, als würde kein Weg an Fahrverboten vorbei führen. Das jedenfalls war das Fazit von Torsten Nagel vom Ingenieurbüro Lohmeyer in Karlsruhe. Ihn hatte die Stadt Düsseldorf jüngst damit beauftragt, verschiedene Varianten durchzurechnen. Im Umweltausschuss des Rathauses er-zählte er etwa diese: Was wäre wenn man Busse, Lieferwagen und Lkw von einem Fahrverbot ausnehmen würde? Dann müsste die Zahl der Autofahrten um 88 Prozent reduziert werden, um den Grenzwert einzuhalten.

Nur ein Szenario schreckte nicht sofort alle Politiker ab: Demnach könnte der Grenzwert im Jahr 2020 eingehalten werden – wenn bis dahin wie erwartet mehr schadstoffarme Fahrzeuge unterwegs sein werden und die „Blaue Plakette“ kommt. Die war von Bund und Ländern geplant, um Diesel-Stinker (inklusive Euro-5-Norm) aus den Innenstädten zu halten. Inzwischen aber hat das Bundesumweltministerium die Pläne auf Eis gelegt, nachdem sich Verkehrsminister Alexander Dobrindt dagegen ausgesprochen hatte – auch der fürchtet Volkes Zorn.

Laut Verwaltungsgericht braucht es die Blaue Plakette aber auch gar nicht. Es reiche das übliche Einfahrtverbotszeichen mit Zusatzschild. Klingt einfach, aber wer will das kontrollieren? Den meisten Autos und Lieferwagen ist nicht anzusehen, ob sie einen Benzin- oder ein Dieselmotor haben. Und dabei klappt ja nicht einmal die Kontrolle der vorhandenen Plaketten. Eine Stichprobe auf der Corneliusstraße hat ergeben, dass 15 Prozent der Emissionen von Autos stammen, die laut Umweltzone dort gar nicht fahren dürften.

Der Schwarze Peter liegt jetzt bei der Bezirksregierung. Sie hat ein Jahr Zeit, um eine praktikable Lösung zu erarbeiten – und eine, die auch den Volkszorn im Zaum hält.

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