Wir sind ein pessimistisches Volk - warum eigentlich?

Ein Begriff hat sich in den Wortschatz jener Nation gedrängt, die sich selbst so sehr dem Zweckoptimismus verpflichtet sieht. Von der "German Angst" ist in Amerika die Rede, wenn jemand die Zukunft in allzu düsteren Farben malt.

Ja, wir Deutschen sind weltberühmt für unsere depressiven Verstimmungen. Dazu passen die Ergebnisse einer aktuellen Unicef-Studie, wonach deutsche Jugendliche zu den größten Zukunftspessimisten weltweit zählen. Das vorweg: Wir sollten uns davor hüten, nun der jüngeren Generation kollektive Miesepeterei unterzuschieben.

Denn das Lebensgefühl von Jugendlichen ist immer auch Spiegel einer historisch gewachsenen nationalen Mentalität. Und die wird in Deutschland wesentlich bestimmt von jenen Schwarzsehern, die real existierende Missstände und Probleme in ungezügelten Katastrophismus verwandeln. Schuldenlast, demografischer Wandel, Wirtschaftskrise, Parteienkrise, Globalisierung und Klimawandel verdichten sich so zu apokalyptischen Visionen, deren Eigendynamik sich jeder Vernunft entzieht.

Ein nüchterner Blick zurück zeigt der heute etablierten Eltern-Generation, dass Zukunftspessimismus kein Phänomen der "Jugend von heute" ist. Wie war das noch mit der "Null-Bock-Welle" der 70er und frühen 80er Jahre, als Teenager in düsterer Endzeit-Stimmung auf das Waldsterben und den Atomkrieg mit 30-fachem Overkill warteten?

Im Vergleich dazu erscheint die Jugendkultur des Jahres 2010 nahezu heiter - auch wenn die Apokalyptiker dieser Generation ohne Unterlass suggerieren, sie sei dazu verdonnert, sich in einem lebenslangen Marathon von einem unbezahlten Praktikum zum nächsten zu hangeln. Wie unsinnig diese Fünf-vor-Zwölf-Stimmung jedoch ist, zeigen internationale Studien, die Deutschland prognostizieren, auch im weiteren Verlauf des 21. Jahrhunderts zu den lebenswertesten Ländern der Welt zu gehören.

Wir sollten unsere Volksseele endlich aufräumen und die "German Angst" auf dem Sperrmüll der Geschichte entrümpeln. Denn wie sagte noch US-Präsident Franklin Roosevelt inmitten der schwersten Wirtschaftskrise aller Zeiten? Man braucht vor nichts Angst zu haben - außer vor der Angst selbst.

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