Schon 1970 zweifelte Joseph Ratzinger den Zölibat an

Kommenterfoto Alexander Schulte
Ein Kommentar von Alexander Schulte.

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Papst Benedikt war als junger Joseph Ratzinger ein fortschrittlicher Theologe. Beim legendären II. Vatikanischen Konzil drängte er als Berater von Kardinal Frings auf Reformen und Transparenz in der Kurie. Und jetzt taucht ein Memorandum von 1970 auf, in dem er mit Karl Lehmann und Walter Kasper den Zölibat in Frage stellte. Leider ist von solchem Reformeifer nicht viel geblieben. Und deshalb sollte niemand glauben, Rom werde nun bald tatsächlich den Zwang zur Ehelosigkeit aufheben. Der Zölibat ist noch zu sehr ein deutsches und europäisches Aufregethema, um in der Weltkirche voll durchzuschlagen.

Der über 40 Jahre alte Appell zeigt gleichwohl, wie hartnäckig der Vatikan ein drängendes Problem aussitzt: den – nicht zuletzt vom Zölibat verursachten – Priestermangel. Der nimmt vor allem in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern mittlerweile groteske Züge an. In Düsseldorf zum Beispiel müssen sich heute zum Teil sieben, acht früher eigenständige Kirchengemeinden einen (!) Pfarrer teilen, weil es so sehr an Nachwuchs fehlt.

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