Ein Kommentar von Olaf Kupfer.
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Judith Michaelis

Ein Kommentar von Olaf Kupfer.

Die Fifa steht unter Druck, schreiben die Agenturen. Als wenn das nicht untertrieben und längst Normalität wäre bei einem Verband, dessen Ethik-Kommission sich seit Jahren mit einem Korruptionsvorwurf nach dem anderen befassen muss. Die Berichte aus Katar aber eröffnen eine neue Dimension. In der es weniger um unerhörte Geldumverteilungen unter Fifa-Mitgliedern geht, sondern um nichts weniger als Menschenleben. Das von Gastarbeitern, die offenbar wie „moderne Sklaven“ für ein Projekt arbeiten (müssen), das der Fifa im reichsten Land der Welt Rekordgewinne verspricht: die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar.

Bis zu 500 000 Arbeiter werden für die WM-Vorbereitung benötigt. Wie gut, dass jetzt der Blick auf die schlimmen Bedingungen fällt, unter denen diese Menschen etwa aus Indien, Nepal, Sri Lanka oder Bangladesch ausgebeutet werden. Wie schlimm, dass dafür offenbar erst Menschen sterben mussten. Überstunden unter sengender Hitze, kein Trinkwasser, kein Pass, den der jeweilige Arbeitgeber zumeist einbehält. Kein Schutz, oft kein Lohn. Katar sei ein „offenes Gefängnis“ für nepalesische Arbeiter, sagte unlängst die nepalesische Botschafterin Maya Kumari Sharma. Sie wurde danach abgezogen.

Die Fifa muss ihre Macht konkret nutzen

Das ist ein politisches Problem, kein Zweifel. Aber es ist jetzt auch ein Problem der Fifa, vor der sich alles türmt: die anhaltenden Korruptionsvorwürfe bezüglich der Vergabe der WM, die unselige Temperatur-Diskussion, damit verbunden der unsichere Turnier-Termin. Jetzt diese neue Dimension, die das Fifa-Hauptquartier eilig für „schockierend“ hält. Wie immer, wenn das Geld die Wahl diktiert, wurde vorher nicht so genau hingeschaut. Glitzernde Präsentationen und die Aussicht auf Rekordgewinne für das Verbandssäckel haben den Blick verstellt. Nie zuvor galt das – trotz zahlreicher anderer Beispiele – in einem Maße wie jetzt für Katar.

Der Fifa bleibt eine einzige Aufgabe: ihren Willen zu bekräftigen und ihre Macht konkret zu nutzen, an diesen Umständen auch in Zusammenarbeit mit politischen Institutionen etwas zu ändern. Dafür müsste der Weltverband auch bereit sein, Katar die WM in letzter Konsequenz wieder zu entziehen.

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