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Peter Kurz

Peter Kurz

Sergej Lepke

Peter Kurz

Die SPD sonnt sich nicht nur in ihren steigenden Umfragewerten, die sie mittlerweile sogar im Bund vor der Union rangieren lassen. Die Parteistrategen bemühen darüber hinaus auch einen Blick auf eine wachsende Zahl von Parteieintritten, um ihre wachsende Beliebtheit zu belegen. Sie freuen sich seit Wochen über den „Schulz-Effekt“. Ein Effekt, der freilich in seiner Bedeutung über die primären Folgen hinausgeht, die er für das Wohl und Wehe der SPD hat.

Dabei sollte man gar nicht zu sehr auf die Zahlen zu Parteieintritten sehen. Schließlich sind das für Außenstehende nur schwer überprüfbare und bewertbare Daten. Kommt es doch nicht nur auf Parteieintritte an, sondern auch auf die Mitgliederentwicklung insgesamt. Vor allem aber gilt: Zusätzliche Parteimitglieder sind noch lange keine zusätzlichen Wählerstimmen. Bei aller Vorsicht gegenüber der Aussagekraft der Demoskopie sind deren Umfragewerte da doch wesentlich bedeutsamer.

Die in diesen Umfragewerten zum Ausdruck kommende starke Bewegung, die durch den „Schulz-Effekt“ unzweifelhaft in die Parteienlandschaft getreten ist, kann ein über das Jubeln der SPD hinausgehendes positives Signal sein. Ein Signal, dass es da ein Aufwachen der Gesellschaft gibt. Dass das Phänomen Donald Trump und heraufziehende Folgemodelle in Frankreich, den Niederlanden und auch hierzulande eine Art Weckruf auslösen. Ein von den Menschen verstandenes Signal, den Wahlzettel doch lieber nicht als Denkzettel zu nutzen. Weil das am Ende dazu beitragen könnte, dass der einmal aus der Flasche gelassene Geist am Ende nicht mehr einzufangen sein wird.

Aber auch abgesehen von diesem großen Ganzen bedeutet der „Schulz-Effekt“, dass da plötzlich ein Gegenmodell sichtbar wird. Konturen, die Parteien wie CDU, Grünen und FDP den Raum lassen und die Chance geben, ihre eigenen politischen Absichten auf den Tisch zu legen. Ihre jeweiligen Anti-Schulz-Modelle dem Wähler zu erklären. Das hatten wir doch schon lange nicht mehr: Den Abstimmenden wird tatsächlich wieder eine echte Wahl gegeben.

FDP-Chef Christian Lindner hat dies viel schneller verstanden als die CDU, wenn er sagt, dass die Agenda von Martin Schulz gerade die Chance biete, auch die gegenteiligen politischen Kräfte zu mobilisieren. Die Versuche der CDU, den SPD-Kandidaten persönlich zu desavouieren, muten dagegen seltsam hilflos an.

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