So etwas kannten die Bundesbürger bisher nur aus der untergegangenen DDR: den Staat als Eigentümer von Privatbanken. Nach der weltweiten Finanzkrise, hervorgerufen durch hemmungslose Zocker in Amerika, brechen jetzt auch in Deutschland alle Dämme: Insgesamt 18,2 Milliarden Euro - es könnten noch mehr werden - nimmt die Bundesregierung aus dem rund 480 Milliarden Euro schweren Banken-Stabilisierungsfonds in die Hand, um die geplante Bankenehe zwischen Commerzbank und Dresdner Bank zu ermöglichen.

Das ist keine schlechte Mitgift. Die Milliarden aus Steuermitteln sind aber notwendig und - hoffentlich - auch gut angelegt. Die Alternative wäre gewesen, dass beide Institute über kurz oder lang als selbstständige Banken verschwunden wären. Das kann wohl niemand nach der von der US-Regierung übereilt und als Exempel in die Pleite getriebenen Lehman Bank ernstlich wollen. Die Krise wurde dadurch erst richtig angeheizt, das Vertrauen war komplett verspielt, und die Verwerfungen werden noch in Jahren zu spüren sein.

Zwar ist der Zeitpunkt der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank denkbar schlecht. Jedoch lässt sich der Deal, der bis Ende Januar über die Bühne gehen soll, nicht mehr verschieben. Alles ist in die Wege geleitet, damit aus zwei im Alleingang Fußkranken die zweitgrößte deutsche Privatbank entsteht. Würde jetzt gezögert, würde der Finanzplatz Deutschland für lange Zeit nachhaltig geschädigt werden. Deutsche Banken spielen international ohnehin selten in der ersten Liga mit. Ohne ein weiteres Großinstitut zur Deutschen Bank wären wir Provinz - mit allen Folgen für die Wirtschaft.

Verständlich ist aber auch, dass viele Bürger trotz allem nicht verstehen, warum der Staat Privatbankier werden soll. Gerade sollten mit der Bahn die letzten Staatsbetriebe nach Energie, Post und Telekom privatisiert werden. Jetzt kommt die Kehrtwende. Dass die Briten und Amerikaner wegen der Finanzkrise bereits etliche Institute verstaatlicht haben, die ansonsten bankrott gegangen wären, ist ein schwacher Trost. Vielleicht tröstet es ja, dass der Bund nicht auf Dauer die Aktien halten soll. Steigt er in ein paar Jahren wieder bei der Commerzbank aus, winkt vielleicht sogar ein kleiner Gewinn.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer