wza_503x525_542348.jpeg
Dirk Hautkapp.

Dirk Hautkapp.

Dirk Hautkapp.

Die jüngsten blutigen Anschläge im Herzens Kabuls kamen mit Ansage. Taliban und andere Kriminelle sehen in den Attentaten ihre vorläufig letzte Chance, den langsam Fahrt aufnehmenden afghanischen Demokratiezug aufzuhalten.

Jede Stimme für Kandidaten, die dem gebeutelten Staat eine zivilisierte Perspektive geben wollen, ist eine Stimme gegen die, die Afghanistan als lukratives Spielfeld für Drogenhandel, Korruption und pseudoreligiöse Steinzeit-Ideologien missbrauchen.

Ob am Ende der ebenso glücklose wie zwielichtige Amtsinhaber Hamid Karsai oder sein im Norden beliebter Kontrahent Abdullah Abdullah gewinnt, erscheint zunächst zweitrangig. Wer mit wem, wer gegen wen paktiert und warum, das ändert sich in diesem mit westlichen Augen kaum zu durchdringenden Land manchmal binnen Tagen.

Die nahende Wahl an den Güteklassen traditioneller Demokratien messen zu wollen, wäre darum auch vermessen. Der Vielstämmestaat Afghanistan ist mental, kulturell und seinen archaischen Traditionen nach noch immer weitgehend im Mittelalter angesiedelt.

Korruption und das Sich-erkaufen-können zentraler Führungsposten ist ein Wesenmerkmal dieser Gesellschaft. Und wird es noch bleiben. Bis zur Aufklärung ist es dort noch ein langer Weg, von der Ankunft in der Moderne nicht zu reden.

Damit die Wahl in halbwegs rechten Bahnen verlaufen kann, ist in Afghanistan eine neue Tradition zu begründen: die der inneren Sicherheit. Hier liegt der Schlüssel. Ohne innere Sicherheit, ohne Rechtsstaatlichkeit und unabhängige Justiz bleibt jede wirtschaftliche Entwicklung ein Trugbild. Obwohl die westliche Staatengemeinschaft ihre Anstrengungen beim Aufbau der Sicherheitsbehörden verstärkt hat, sind hier noch immer groteske Missstände zu beklagen.

Die unterbesetzte und unterbezahlte Polizei wird kaum in der Lage sein, sich gegen massivste Gewaltanwendung durch Taliban, Terroristen oder Söldner der Drogenbarone zur Wehr zu setzen.

Im Alltag ist sie das Hauptziel von Anschlägen und hat bei weitem mehr Opfer zu beklagen als alle westlichen Truppen zusammen. Wahl hin, Wahl her - ohne eine dauerhafte polizeiliche Absicherung punktuell erzielter militärischer Erfolge wird Afghanistan die nötige Stabilität nie erreichen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer