Mit philippinischen Kräften lässt sich das Problem nicht lösen.

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Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek.

Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek.

Ein Kommentar von Anja Clemens-Smicek.

Die Politik hat in der Vergangenheit nichts unversucht gelassen, uns von der „Systemrelevanz“ vieler Banken zu überzeugen. Sie müssten gerettet werden, weil sonst unser Finanzsystem kollabieren würde, hieß es. Koste es, was es wolle. Nun steht mit der Pflege ein mindestens genauso wichtiges System vor dem Zusammenbruch. Deutschland gehen die Pflegekräfte aus.

Nur gibt es da keine Krisengipfel im Wochenrhythmus, keine Rettungspläne und weit geöffnete Geldschatullen. Dabei ist eine gute Pflege genauso systemrelevant für den Zusammenhalt einer Gemeinschaft. In einer Wohlstandsgesellschaft wie der unseren müssen Menschen in Würde alt werden können.

Jetzt hat die Bundesregierung eine Ausbildungsoffensive gestartet, werden philippinische Pflegekräfte angeworben. Das sieht zwar auf den ersten Blick so aus, als würde das Problem tatkräftig angegangen. Im Grunde aber wird nur an den Symptomen herumgedoktert. Weder an der chronischen Unterfinanzierung des Systems noch an der fehlenden Wertschätzung der Menschen, die dort arbeiten, wird sich so etwas ändern.

Reformbedarf gibt es genug. Nehmen wir die Pflegesätze: Ihnen liegt der irrwitzige Ansatz zugrunde, dass es allein um die körperliche Versorgung geht. In der Praxis bedeutet das: Ein bis zwei Minuten für die Gesichtsreinigung, maximal 15 bis 20 Minuten, um dem Patienten beim Essen von „höchstens drei Hauptmahlzeiten“ zu helfen. Pflege ist Akkordarbeit – das Menschliche, der Zuspruch, den gerade Demenzkranke benötigen, bleibt auf der Strecke.

Da der demografische Wandel das Sozialsystem zwangsläufig an seine Grenzen bringt, müssen schnell neue Konzepte her. Natürlich kostet das Geld. Doch Pflege-Nachwuchs findet sich nur, wenn der Beruf angemessen entlohnt wird und die Arbeitsbedingungen stimmen.

Das Zusammenspiel von häuslicher, ambulanter und teilstationärer Pflege muss gefördert werden, um Synergien zu schaffen. Und man mag noch so viel Kritik am sogenannten Pflege-Bahr üben: An einem privaten Kapitalstock für die Pflege führt kein Weg vorbei. Gerade junge Menschen müssen sensibilisiert werden, für das Alter und seine Folgen vorzusorgen. Denn jeder kann einmal zu einem Pflegefall werden.

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