Der Berg, der sich vor den Deutschen auftürmte, als sie 1949 mit dem Grundgesetz wieder die Basis für ein Staatsgebilde bekamen, ließ mühevolle Arbeit für die nächsten hundert Jahre erahnen. 60 Jahre später stellen wir fest: Die großen Ziele sind erreicht. Unser Land ist aus den Trümmern auferstanden, Deutschland ist ein geachtetes Mitglied der Völkergemeinschaft, die Wiedervereinigung ist gelungen. Die Menschen können sich, von Freunden umgeben, sicher fühlen - auch die Einwanderer. Wir sind hilfsbereit, wenn andere Hilfe brauchen. Der Umgang mit der aktuellen Krise beweist, dass unser Staat im Jahre 2009 verantwortlich geführt wird und nicht hilflos ist, wie im Jahre 1929.

Menschen haben die Bundesrepublik gestaltet, die in diesen Tagen ihren 60. Geburtstag feiert. Menschen, die angepackt haben, Menschen, die Verantwortung übernommen haben - Menschen, die zur rechten Zeit am rechten Ort waren. In den 60 Jahren ihres Bestehens hat die Bundesrepublik Deutschland Politiker aller demokratischen Parteien in der Verantwortung gesehen. Sie hat Höhepunkte erlebt, hat dunkle Stunden überlebt und Skandale ausgehalten. Unsere Zeitung wird in der kommenden Woche in einer Artikelserie von 60 deutschen Jahren erzählen.

Deutschland 2009 ist ein selbstbewusstes Land, das keinerlei Machtgelüste hegt. Wir sind ein bedeutender Partner im Herzen Europas, nicht mehr, nicht weniger. Es geht uns gut, viel besser als den meisten anderen Ländern. All das aber macht uns nicht zu einem "ganz normalen" Land. Politischer Radikalismus in Deutschland hat zum schlimmsten Krieg und zum größten Völkermord der Neuzeit geführt - um diese Geschichte muss man wissen, damit Extremismus bei uns nie wieder Fuß fassen kann.

Und das Grundgesetz, das ursprünglich als Provisorium bis zur Wiedervereinigung gedacht war und das seit nunmehr 60 Jahren unser Leben und unser Staatswesen bestimmt? Es hat sich bewährt, dass an dieser Verfassung in all den Jahrzehnten gearbeitet worden ist - immer an den sich verändernden Bedürfnissen orientiert, aber nie von aktuellen Aufgeregtheiten getrieben. Wir haben eine gute Verfassung, die sich immer noch verbessern lässt - aber ihren Namen Grundgesetz in aller Würde weiter tragen darf.

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