Ulli Tückmantel, Kommentarfoto
Ulli Tückmantel.

Ulli Tückmantel.

Schwartz, Anna (as)

Ulli Tückmantel.

Berlin. Das werden keine schönen Tage für die SPD: Statt endlich das zu tun, wovon die Sozialdemokratie schon seit der NRW-Niederlage im Mai überwiegend bloß redet (Analyse, Neuaufstellung, auf zum Kampf), wird sie ihren Bundesparteitag mit einer mutmaßlich wankelmütigen Rede ihres außer Dienst gestellten Hoffnungsträgers Martin Schulz beginnen. Dann wird sie, da ist auf die Sozialdemokraten immer Verlass, das Gesagte gründlich zerreden und dann irgendwann am Nachmittag oder frühen Abend zu Schulz’ens Wiederwahl schreiten. Mit dem Ergebnis, das wohl deutlich von den 100 Prozent abweichen wird, mit denen Martin Schulz im März zum 14. Vorsitzenden und 12. Kanzlerkandidaten gekürt wurde, wird sie den einstigen Volkstribun aus Würselen wie einen Dorftrottel aus einer ungenannten Kleinstadt bei Aachen aussehen lassen. Und was das Schlimmste ist: Schulz wird selbst diese Wahl annehmen.

Inhaltlich wird sich die Partei dann wohl bis Samstag mit einem Leitantrag des nicht erneuerungsfähigen Parteivorstands beschäftigen, bei dem schon der zweite Satz falsch ist, nämlich die Behauptung, es sei richtig gewesen, nach der Bundestagswahl vom 24. September zu erklären, die Koalition mit CDU und CSU nicht fortsetzen zu wollen. Das war nicht richtig, sondern selten dämlich.

Zu Beginn seines rasanten Aufstiegs vom europäischen Repräsentations-Politiker zum SPD-Vorsitzenden hat Martin Schulz sich vor allem selbst bestaunt: Seht mich an, ein einfacher Mann aus dem Volk, ohne Abitur, aber den Alkohol besiegt – bei uns kann jeder etwas werden. Der Einzige, der das ständig bezweifelt hat, war Schulz selbst. Er hat fortwährend verkündet, er wolle Kanzler werden – aber er konnte nie erklären, warum eigentlich.

Schulz ist in wirklich jeder Hinsicht das vollständige Gegenteil von dem, was die SPD jetzt bräuchte: Eine Frau mit einer Idee, die nicht ihre eigene Biografie bewundert, sondern die Partei führt.

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