Kristin Dowe
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Kristin Dowe

Eine Lehre, die man aus dem Fall des Bottroper Apothekers ziehen kann, den man mit Recht als einen der größten Medizinskandale der Nachkriegsgeschichte bezeichnen kann, ist so profan wie niederschmetternd: Kein Urteil kann erlittenes Unrecht der Patienten und ihrer Angehörigen vergelten, keine politische Konsequenz aus den ungeheuerlichen Vorgängen verloren gegangenes Vertrauen in unser Gesundheitssystem so schnell wiederherstellen. Der materielle Schaden, der sich für die geprellten Krankenkassen auf 56 Millionen Euro beläuft, mag sich mit Zahlen beziffern lassen – der gigantische Reputationsverlust, den der mutmaßliche Täter einem ganzen Berufsstand, den Apothekern, zugefügt hat, lässt sich kaum bemessen.

Die Details des Verbrechens sind schwer zu ertragen: Über Jahre hinweg hatte der Bottroper laut Anklage Krebsmittel mit Kochsalz gepanscht. Bei seinem Tun ging der mutmaßliche Täter mit enormer krimineller Energie vor – ermöglicht wurde ihm dies durch ein Netz aus institutionellem Schweigen, Wegsehen, Leugnen und Nicht-Wahrhaben-Wollen auf Seiten der Apothekenmitarbeiter und Aufsichtsbehörden.

Nicht zuletzt die in NRW bislang laxe Kontrollpraxis der Gesundheitsämter gegenüber den Schwerpunktapotheken spielte dem Mann, der sich auf Bottrops gesellschaftlichem Parkett routiniert bewegte und sich gern als schillernde Persönlichkeit im Dienste des Gemeinwohls inszenierte, in die Hände.

Die Frage nach den politischen Konsequenzen sollte man mit kühlem Kopf beantworten. Konstruktive Vorschläge formuliert etwa die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit der Forderung nach engmaschigeren und unangekündigten Kontrollen und einer bundesweit einheitlichen Regelung, zumal der Apotheker seine Medikamente in sechs Bundesländer geliefert hatte. Auch erscheint es sinnvoll, nicht verbrauchte Krebsmittel an zentraler Stelle zu sammeln und umgehend zu vernichten, damit die Präparate nicht mehr in den Verkauf gelangen können. Wurden die Schwerpunktapotheken bislang nur alle zwei bis drei Jahre mit vorheriger Ankündigung kontrolliert, hatten schwarze Schafe der Branche leichtes Spiel – denn abgesehen von dem Pantschbetrug sollen in der Bottroper Apotheke auch verheerende hygienische Zustände geherrscht haben.

Bei allem Entsetzen über den Fall sollten Patienten allerdings nicht der Versuchung erliegen, einen ganzen Berufsstand unter Generalverdacht zu stellen. Das wäre das falsche Signal.

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