Juliane Kinast
Juliane Kinast

Juliane Kinast

Judith Michaelis

Juliane Kinast

Als vor einem Jahr im Lichte der massiven Berichterstattung über die Kölner Silvesternacht auch in Düsseldorf die Anzeigen von Übergriffsopfern bei der Polizei hereinkleckerten, da verwunderte eines: Die Frauen sollen die Täter unisono als nordafrikanisch und arabisch aussehend beschrieben haben. Mancher dürfte sich hiernach gefragt haben, wie er „nordafrikanisches Aussehen“ beschreiben würde – dunkle Haare, dunkle Haut vielleicht? Nebenbei: Unter den ermittelten Tatverdächtigen in Düsseldorf waren dann auch Männer aus Bangladesch.

Nun also wieder Köln, Silvester ein Jahr später. Wieder sollen massenhaft nordafrikanische Männer am Hauptbahnhof gewesen sein. Ganz Deutschland diskutiert erneut – über Nordafrikaner generell, über „Racial Profiling“, über den „Nafri“-Tweet der Kölner Polizei. Die hat flugs eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um zu untersuchen, warum wieder so viele Nordafrikaner kamen. Und jetzt sollen es vielleicht gar keine Nordafrikaner gewesen sein? Sondern Syrer, Afghanen, Iraker, Deutsche. Vermutlich wiederum mit dunkler Haut und dunklen Haaren. Nordafrikanisches Aussehen eben.

Nun lädt die Kölner Polizei mit solch fortwährendem Ungeschick durchaus zu Kritik ein. Sie hat wohl – einmal mehr – einen Fehler gemacht. Die Frage, die man aber fairerweise stellen muss, ist: Kann die Polizei es überhaupt noch richtig machen? Haut sie nicht sofort zu jeder Straftat die Nationalität des Tatverdächtigen raus, wird ihr aus der Populisten-Ecke Verschleierung vorgeworfen. Aber tut sie es doch, läuft sie Gefahr, eine ethnische Gruppe ohne gesicherte Grundlage zu diskreditieren.

Alle gesellschaftlichen Akteure – nicht nur die Polizei – sollten sich allmählich fragen, ob sie nicht zurückmüssen zu ein bisschen mehr Umsicht. Größtmögliche Offenheit sollte nach dem Kölner Silvester 2015/16 die Antwort auf die Unsicherheit der Öffentlichkeit sein. Über Nationalitäten zu sprechen, ist kein Tabu mehr. Die Bundespolizei beschloss gar, sie nun in jeder Pressemeldung anzugeben. Aber gibt das den Menschen ein besseres Gefühl? Ganz klar: nein. Jede von Rechts geschickt gestreute Meldung über Straftaten von „Menschen aus XY“ sorgt für Panik in den sozialen Netzwerken. Der sachliche Statistikhinweis der Polizei, die Straßenkriminalität gehe zurück, verpufft dagegen. Man sollte wieder erst denken, nachforschen. Und dann sprechen und schreiben.

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