Die Deutschen lieben Bargeld. Während in anderen Ländern selbst kleinste Beträge, etwa am Kiosk, mit der Kreditkarte bezahlt werden, werden hierzulande noch immer drei Viertel aller Transaktionen an Kassen oder Automaten mit Bargeld abgewickelt.

Es gibt gute Gründe, an Münzen und Scheinen festzuhalten: Bargeld ist ein Stück Freiheit und gelebter Datenschutz. In Zeiten, in denen auch für Privatleute negative Zinsen drohen, schützt Bargeld die Verbraucher vor der Marktmacht der Banken. Ohne Bargeld könnte der Kunde solchen Strafzinsen für sein Erspartes gar nicht mehr entgehen. Es wäre ein leichtes Spiel, den Verbraucher über die Zinspolitik noch intensiver als bisher zum Konsum zu bringen. Ein klares Plädoyer also für das Bargeld.

Wenn jetzt die EU-Kommission eine europaweite Begrenzung für Bargeld-Zahlungen anschieben will, muss das nicht zwangsläufig auf eine Abschaffung des Bargelds hinauslaufen, wie viele Kritiker befürchten. Doch gibt es andere Gründe gegen eine solche Obergrenze.

Als vorrangige Ziele für eine Begrenzung nennt die EU-Kommission die Bekämpfung der Terrorfinanzierung und der Geldwäsche. Betrachtet man die EU-Länder, die eine Obergrenze eingeführt haben, so sind dort kaum Verbesserungen erkennbar. Beispiel Geldwäsche per Immobilien: Wer kauft schon das Haus mit einem Mal und in bar? Da wird meist peu à peu bezahlt. Oder das Schwarzgeld ist bereits legal auf den Konten, eingesickert über kleinere Beträge. Online-Glücksspielanbieter oder virtuelle Währungen wie Bitcoin eröffnen zudem neue Möglichkeiten bei der Legalisierung von Schwarzgeld.

Das heißt nicht, dass Staaten bei Geldwäsche und Terrorfinanzierung tatenlos zusehen dürfen. Doch eine Bargeld-Obergrenze ist nur eine Scheinlösung. Das Austrocknen von Steueroasen und die Bekämpfung von Briefkastenfirmen wären weit wirkungsvoller.

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