Der Druck auf eine tragfähige Sanierung des Autobauers wächst.

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Von Friedrich Roeingh.

Von Friedrich Roeingh.

Von Friedrich Roeingh.

Da geht einer, der längst gehen musste. Wenn es jemanden gibt, der bei General Motors für die Anhäufung von Milliardenverlusten über Jahre hinweg Verantwortung trägt, dann ist das Rick Wagoner. Im Nachhinein darf man sich fragen, warum er nicht schon viel früher seinen Hut nahm.

Wagoner zeichnet für die völlig überkommene Modellpolitik von GM ebenso verantwortlich wie für die Arbeitskosten, die mehr als doppelt so hoch sind wie die in den amerikanischen Toyota-Werken. Zudem ist er die Personifizierung eines Zentralismus, der Opel Europa über Jahrzehnte ins Abseits geführt hat.

Doch mit Wagoners erzwungenem Abtritt sind weder GM noch Opel gerettet. In der 60-Tage-Frist muss sein Nachfolger Fritz Henderson nicht nur die Gehälter kappen und GM von horrenden Pensionslasten befreien, die dem Autobauer die Luft abschneiden. Er wird auch um die Schließung ganzer Standorte nicht herumkommen. US-Präsident Barack Obama gewinnt derweil Zeit, die Stimmung in der Bevölkerung auszuloten. Denn noch ist offen, ob die Regierung GM nicht doch noch in eine geordnete Insolvenz schickt.

Auch in Deutschland gewinnt die Regierung zunächst Zeit, zumal die Wirkung der Abwrackprämie die Zahlungsunfähigkeit von Opel erst einmal aufgeschoben hat. Die Begeisterung, mit der die Betriebsräte und auch NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers die Ablösung Wagoners aufgenommen haben, ist allerdings verfrüht.

Die Chancen für eine Herauslösung Opels aus dem GM-Verbund, der von Beginn an etwas Irrationales anhaftete, sind jedenfalls gesunken. Fritz Henderson, der einmal selbst den europäischen Opel/Vauxhall-Ableger geführt hat, ist auf das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim angewiesen, um die Modellpalette von GM aufzumöbeln. Nachdem Wagoner die deutschen Abspaltungsversuche schon damit gekontert hatte, Entwicklungsaufträge von Rüsselsheim abzuziehen, darf man das eher als Chance begreifen.

Nachdem Obama in den USA hart durchgreift, ist aber auch Opel Europa an der Reihe, seine Überkapazitäten abzubauen. Gehaltsverzicht allein wird Opel nicht retten. Und das Werk in Bochum hat nicht die besten Zukunftsaussichten - so bitter diese Erkenntnis auch ist.

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