Katastrophe in Japan löst in Deutschland Atom-Debatte aus

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Plötzlich ist die Erinnerung an Tschernobyl 1986 präsent. Damals flossen die Informationen zu langsam und waren oft falsch – doch was sollte man von einem totalitären Staat anderes erwarten? Zudem schockierte die uralte Technik des Kraftwerks – doch auch das überraschte in der Ukraine nicht. Und jetzt?

Japan ist eine führende Industrienation. Dennoch lässt die Regierung die Welt tagelang im Ungewissen. Kernschmelze ja oder nein? Ständig widersprüchliche Meldungen. Diese steinzeitliche Informationspolitik kann angesichts des Internets und sozialer Netzwerke nur schief gehen. Zudem ist es schwer verständlich, dass in Japan ebenfalls alte Technik im Einsatz war.

Doch die Situation dort ist aus deutscher Sicht schwer zu begreifen. Ein Land, das 1945 in Hiroshima grausam die militärische Komponente der Atomkraft erlebte, trennte diese Erfahrung klar von der friedlichen Nutzung und baute schon 1954 das erste AKW. Bislang gilt Japan sogar als weltweit führend in Sachen Atomtechnik. Für uns zudem verblüffend: Trotz der 54 Kraftwerke gibt es keine Anti-Atomkraft-Bewegung. Und das in einem Land, das ständig von Erdbeben durchgerüttelt wird. Japaner müssen wirklich extrem technik- und zukunftsgläubig sein.

In diesen Tagen spüren Japan und der Rest der Welt, wie gefährlich solch ein Kurs sein kann. Vor allem in Deutschland belebt sich sofort die Atom-Debatte. Es ist menschlich verständlich, jetzt ein sofortiges Abschalten der Atomkraftwerke zu fordern. Doch muss das wirklich so spontan geschehen? Denn die Schwächen anderer Energieformen dürfen nicht ignoriert werden. Beispiele: Kohle und Erdöl sind endlich, Energie aus Wind, Wasser oder Sonnenkraft kann wegen der mangelnden Speicherfähigkeit nicht andere Quellen komplett ersetzen. Und beim Benzin E 10 haben wir gerade erst erlebt, wie zweifelhaft es ist, Nahrungsmittel durch den Auspuff zu jagen, während anderswo Menschen hungern.

Trotz Japan heißt die Devise Besonnenheit. Allerdings sollten wir jetzt hochkonzentriert an sinnvollen anderen Lösungen arbeiten, um wirklich auf die gefährliche Atomkraft verzichten zu können. Vor allem sollte niemand versuchen, aus dem Leid der Japaner politisches Kapital für die Innenpolitik zu schlagen.

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