Attentäter schießt auf US-Abgeordnete

Kommentarfoto Peter DeThier
WZ-Korrespondent Peter DeThier.

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Das Blutbad in Tucson, Arizona, hat eine ganze Nation tief erschüttert. Dabei lautet die nüchterne Lehre aus einer sehr emotionalen Tragödie: Die Waffengesetze in den USA müssen weiter verschärft werden.

Es ist kein Wunder, dass Amok-Läufe in Deutschland eher eine Seltenheit sind, sich ähnliche Vorkomnisse in den USA aber jedes Jahr wiederholen. Man denke an die Massenmorde an der Columbine High School, der Virginia Tech Universität oder vor neun Jahren in Washington, als ein Heckenschütze aus dem Kofferraum seines Autos Menschen beim Tanken, auf dem Parkplatz oder vor dem Supermarkt niederstreckte. Kein Wunder, wenn jeder Amerikaner es als sein Grundrecht ansieht, im Handschuhfach oder der Nachttischschublade eine Schusswaffe zu haben.

Obwohl viele Einzelheiten noch unbekannt sind, erscheint eines klar: Unsichere Zeiten in Amerika und die aufgeheizte politische Stimmung im Lande dürften eine wichtige Rolle gespielt haben. Im Internet wetterte der junge Amokläufer gegen das schwache Schulsystem, forderte eine neue Währung und beschimpfte eine Regierung, die ihre Bürger kontrolliert und angeblich „Gehirnwäsche“ betreibt. Auf den ersten Blick die Worte eines Verwirrten. Bei genauerem Hinsehen aber ein Spiegelbild wachsender Frustration bei vielen US-Bürgern, die mit der schleppenden Wirtschaft, der hohen Zahl illegaler Einwanderer, wovon Arizona besonders stark betroffen ist, und dem allgemeinen Status quo höchst unzufrieden sind. In der kollektiven Unzufriedenheit besteht ein weiterer Unterschied zu Deutschland, das deutlich schneller die Rezession überwunden hat und optimistischer in die Zukunft blickt als Amerika.

Eine tragische Ironie besteht darin, dass die Abgeordnete Gabrielle Giffords, im Wesentlichen eine Anhängerin der Politik von Präsident Obama, für das Recht auf freien Waffenbesitz plädierte. Sie zählte zu den wenigen Politikern, die nicht von Sicherheitskräften umgeben und für den Durchschnittsbürger unnahbar sind. Vielmehr wollte sie vor einem Supermarkt mit Wählern über deren Sorgen sprechen. Für diese Bürgernähe, von der Politiker nun erst recht Abstand nehmen werden, zahlte sie einen hohen Preis.

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