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Olaf Kupfer

Olaf Kupfer

Sergej Lepke

Olaf Kupfer

Pensionäre gegen den Lehrermangel, ordentliche Zuschläge, Vollbeschäftigung statt Beine hochlegen – das ist natürlich zweierlei: Vor allem ist es ein Eingeständnis, dass es die Politik schon seit Jahren nicht mehr schafft, angemessen für den Lehrerberuf zu rekrutieren. Aufgaben wie Inklusion, Integration von Flüchtlingskindern, Ganztagsbewältigung oder die schulische Aufarbeitung mancher Erziehungsprobleme im Elternhaus sind mitsamt der nicht eben kurzen Ausbildungszeit nicht so attraktiv, dass die Länder von Bewerbern überrannt werden.

Wer Lehrer will, muss den Beruf attraktiv machen, Anreize schaffen. Das ist so grundsätzlich wie notwendig. Auch, weil schon sehr bald an Schulen helle Köpfe gebraucht werden, die neues Lernen in der digitalen Welt unter veränderten Rahmenbedingungen denken oder umsetzen müssen. Wie wichtig Bildung ist, wissen wir alle. Es lohnt, zu investieren, allemal in diesen unruhigen Zeiten.

Zweierlei allerdings, weil es auch eine andere Seite gibt: Was kann man viel mehr von Politikern verlangen, als gestalterisch einzugreifen und Flexibilität zu beweisen, wenn die Lage es erfordert? Immerhin ist der Versuch der Schulministerin ein Beispiel für solche Politik. Die Flüchtlingszahlen waren schwer vorherzusehen und sind nicht aus dem Stegreif pädagogisch adäquat zu bewältigen. Bereits pensionierte Lehrer können in dieser Beziehung mit ihrer Erfahrung ein Gewinn sein. Ob sie allerdings tatsächlich in Scharen zurückkehren werden ob dieses Angebots, scheint mehr als fraglich: Mancher ist froh, den beschriebenen Zuständen gerade erst entkommen zu sein.

Die große Aufgabe ist die weitsichtige Steuerung: In Deutschland wird seit Jahren zu viel für die Gymnasien und zu wenig für Grundschulen und andere Formen ausgebildet. Dafür die Gründe zu finden und danach gegenzulenken, das ist tatsächlich Sache der Politik. Und das darf man auch verlangen.

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