Peter Kurz, Kommentarfoto 2015
Peter Kurz.

Peter Kurz.

Sergej Lepke

Peter Kurz.

Er klingt wie eine Selbstverständlichkeit, der Satz: „Wir dürfen die erotische Dimension der Liebe keineswegs als ein geduldetes Übel oder als eine Last betrachten.“ Doch wenn der Papst so etwas sagt, so gilt das als etwas Besonderes. Und das macht umso deutlicher, wie weit die katholische Kirche vom gelebten Alltag der Menschen entfernt ist. Aber immerhin. Der Satz zeigt auch, dass viel in Bewegung geraten ist mit Papst Franziskus.

Und da ist noch so eine bemerkenswerte Aussage in seinem Lobgesang auf die Liebe: „Niemand darf auf ewig verurteilt werden.“ Auch diese Forderung, denkt man, sollte nach dem Gebot christlicher Nächstenliebe eine Verpflichtung sein, die gar nicht ausgesprochen werden muss. Wenn der Papst eine solche Bemerkung dennoch für nötig hält, mit Blick darauf, dass Geschiedene und wiederverheiratete Geschiedene ins kirchliche Leben einbezogen werden müssten, so zeigt auch das: Vieles, was wie eine Plattitüde klingt, ist für die katholische Kirche alles andere als das. Auch weiterhin wird es für Geschiedene und Wiederverheiratete keinen Automatismus geben, wieder zur Kommunion zugelassen zu werden. Immerhin kann es Einzelfallprüfungen geben.

Er macht es geradezu schlitzohrig, der Argentinier, der schon mit solchen Aufweichungen bisheriger Prinzipien Hardliner der Kirche vor den Kopf stößt. Denen kann er entgegenhalten, dass die bisherigen Grundsätze bestehen bleiben. Jedoch werden diese ins Wanken geraten. Der Theologe Wolfgang Beinert beschreibt das treffend: „Das ist so, wie wenn man ein Haus innen entkernt und neu baut, aber außen die Fassade lässt.“ Solch’ Vorgehensweise wird Traditionalisten nicht schmecken. Aber den Menschen, die ihren Glauben mit dem richtigen Leben in Deckung bringen möchten, wird es ein Herzensanliegen sein.

Auch wenn der progressiv daherkommende Papst noch weit von gesellschaftlichen Realitäten entfernt ist – Stichworte Homosexualität oder Sex vor der Ehe: Es ist schon bemerkenswert, wie er das uralte Haus renoviert. Der Kirchenmann, der im Mai mit dem weltlichen Karlspreis geehrt wird, beeindruckt auch Menschen, die mit der von ihm gelenkten Organisation nichts anfangen können. Durch seine gelebte Bescheidenheit, seine eindringlichen Sätze zu Umweltfragen oder Appelle zur Mitmenschlichkeit in Flüchtlingsfragen.

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