Der Glückwunsch war vergiftet. Voller Zynismus gratulierten die radikal-islamischen Taliban dieser Tage der Regierung des Nato-Mitglieds Niederlande "von ganzem Herzen für ihren Mut", das eigene Kontingent aus Afghanistan abzuziehen.

Natürlich lesen die sogenannten Koranschüler, die in Wahrheit brutale Religionskrieger sind, Zeitung und durchforsten das Internet. Und natürlich wissen die Taliban, dass in den Niederlanden eine Regierung am Streit über den Afghanistan-Einsatz auseinandergebrochen ist - mit anschließenden Neuwahlen und dem immer noch ungeklärten Ausgang von Koalitionsgesprächen.

In Holland haben die Taliban mit ihrem Bombenterror erreicht, was sie erreichen wollten: Mit den Niederlanden hat das erste westeuropäische Nato-Mitglied gestern begonnen, seine Truppen vollständig aus Afghanistan abzuziehen. Der sozialdemokratische Teil der zerbrochenen Koalition hatte den Einsatz - gegen den Wunsch der Nato - nicht weiter verlängern wollen.

Ähnliches hatten die Taliban auch schon vor der Bundestagswahl 2009 für Deutschland versucht. Damals hatten sie angekündigt, die Anschläge gegen die Bundeswehr im afghanischen Norden nochmals zu erhöhen, immer in der Hoffnung, die seinerzeit noch regierende Große Koalition würde allzu hasenfüßig den baldigen Abzug der Bundeswehr verkünden. Die Taliban setzten in ihrem Krieg gegen die gefühlten Besatzer auch auf Wirkung im Propaganda-Kampf.

43 deutsche Soldaten sind in diesem Krieg bislang ums Leben gekommen, teilweise gefallen im Gefecht. Zu Hause lehnt ein großer Teil der Bevölkerung den Einsatz am Hindukusch ab, sofern sich die Menschen dafür überhaupt interessieren.

Deutschland wird - bis zu einem vollständigen Abzug seiner Truppen an einem Tag X - noch zahlreiche Opfer zu beklagen haben. Krieg ist nie sauber. Und in Afghanistan herrscht Krieg, wenn auch kein klassischer.

Die Entscheidung, deutsche Soldaten am Hindukusch zu stationieren, war und ist eine grundsätzliche. Daran hat sich trotz der ungewissen Erfolgsaussichten der Mission nichts geändert. In der Nato gibt es ein Leitmotiv: gemeinsam rein, gemeinsam raus. Dieses gilt weiter, auch wenn Holland einen anderen Weg geht.

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