Der Bundespräsident und die ominöse Mailbox-Nachricht

Peter Kurz
Ein Kommentar von Peter Kurz.

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Wenn der Bundespräsident an den Chefredakteur der „Bild“ appelliert, dass die „in einer außergewöhnlich emotionalen Situation gesprochenen Worte ausschließlich für Sie und für sonst niemanden bestimmt waren“, so ist das nachvollziehbar. Wer würde nicht empört reagieren, wenn er einem anderen etwas auf die Mailbox spricht und der Empfänger die Nachricht in alle Welt hinausbläst?

„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann müsste zwar kaum eine Strafverfolgung fürchten, wenn er den Inhalt der Nachricht nicht nur in Form einer Inhaltsangabe, sondern auch im Originalton öffentlich machte. Paragraf 201 des Strafgesetzbuches droht bei Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes drei Jahre Strafe an. Doch setzt das voraus, dass jemand „unbefugt“ das nicht öffentlich gesprochene Wort aufnimmt oder verbreitet. Wulffs Telefon wurde aber nicht angezapft, er hat die Nachricht aus eigener Initiative hinterlassen.

Dennoch gebietet es zumindest der Anstand, dass auch die „Bild“ den Originalton nicht gegen den Willen Wulffs veröffentlicht. Der Bundespräsident hat wie jeder andere ein Persönlichkeitsrecht. Er muss es sich nicht bieten lassen, dass alle Welt nun Ohrenzeuge seiner offenbar sehr emotionalen Mailboxnachricht wird. Das hat nicht nur etwas mit der Würde der Person, sondern auch mit der in diesen Tagen viel beschworenen Würde des Amtes zu tun.

Allerdings verbessert die jüngste Wendung nicht gerade die Position des Staatsoberhauptes. Seine in dem Fernsehinterview geäußerte Version, er habe nur auf eine Verschiebung der Berichterstattung über seinen Hauskredit gedrängt, widerspricht der Version der „Bild“, er habe die Veröffentlichung insgesamt unterbinden wollen. Aussage steht gegen Aussage, wobei die „Bild“ ein Beweismittel in der Hand hat, das sie jederzeit doch noch veröffentlichen oder beispielsweise einem neutralen Schiedsrichter vorspielen könnte.

Bis dahin bleiben Zweifel, ob der Bundespräsident in demselben Interview, in dem er den Menschen Transparenz versprach, die Unwahrheit gesagt hat. Vor immerhin 11,5 Millionen Fernsehzuschauern. Es geht um seine Glaubwürdigkeit. Eine Eigenschaft, ohne die ein Bundespräsident nicht Bundespräsident sein kann.

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