Immer neue Vorwürfe gegen Christian Wulff

Ein Kommentar von Frank Uferkamp.
Ein Kommentar von Frank Uferkamp.

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Ein Kommentar von Frank Uferkamp.

Gratisurlaube bei Freunden, eine höchst undurchsichtige Eigenheimfinanzierung und nun auch noch versuchte Einflussnahme auf die grundgesetzlich garantierte freie Berichterstattung – Bundespräsident Christian Wulff steht mit dem Rücken zur Wand. Binnen weniger Wochen ist aus einem eher blassen und etwas biederen, aber nicht unsympathischen Präsidenten ein Getriebener geworden, der sich täglich neuen Vorwürfen ausgesetzt sieht. Schon längst geht es nicht mehr nur um die Person Christian Wulff, sondern um das Amt.

Das politische Schicksal Wulffs wird sich in diesen Tagen entscheiden. Er selbst hat es nur noch begrenzt in eigenen Händen, muss jeden Tag neue Schlagzeilen fürchten. Entscheidend für ihn ist die Unterstützung aus dem Kanzleramt. Doch da ist das Schweigen ganz besonders dröhnend. Vor Weihnachten noch hatte die Kanzlerin ihrem Mann im Schloss Bellevue den Rücken gestärkt. Damals schien die Affäre auf die Hausfinanzierung durch das befreundete Unternehmerpaar begrenzt.

Mittlerweile ergibt sich ein ganz anderes Bild vom persönlichen Verhalten eines Politikers, der sich in seiner Rolle als Staatsoberhaupt nicht scheut, Journalisten zu bedrängen und indirekt auch zu bedrohen. Und der so gerne zu den Schönen und Reichen gehören will, auch wenn das der eigene Geldbeutel nicht hergibt. Der Rückhalt im eigenen Lager für Christian Wulff schwindet.

Die Kanzlerin wird nüchtern abwägen. Natürlich wäre der Rücktritt Wulffs ein herber Rückschritt, nachdem Horst Köhler erst vor 20 Monaten aus dem Amt floh. Auf der anderen Seite geht Deutschland erneut in ein schweres Jahr. Die Euro-Krise ist bei weitem nicht ausgestanden, keiner kann so richtig einschätzen, wie es mit der Wirtschaft weitergeht. Bürger zittern um ihren Arbeitsplatz und ihr Haus.

Die Rolle einer erfahrenen und pragmatischen Krisenmanagerin ist mit Merkel bestens besetzt, für den Part der moralischen Instanz, der über das Tagesgeschäft hinaus durch die Vermittlung bürgerlicher Werte Halt gibt, kommt Wulff nach den Affären nicht mehr infrage. Wulff will seine persönliche Krise womöglich aussitzen. Doch die Kanzlerin wird entscheiden – nüchtern und pragmatisch.

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