Igel entwickelt sich zum Ärgernis für Patienten.

37340058604_9999.jpg
Ein Kommentar von Lothar Leuschen.

Ein Kommentar von Lothar Leuschen.

Michaelis, Judith

Ein Kommentar von Lothar Leuschen.

Deutschland leistet sich eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Das ist gut so. Denn fast nirgendwo sonst werden Patienten so umfassend versorgt, ist das Ärzte-Netz trotz des Mangels auf dem Land so engmaschig, sind Mediziner so gut ausgebildet und Krankenhäuser so gut ausgerüstet. Wer je im Ausland krank geworden ist, weiß das Gesundheitswesen in Deutschland umso höher zu schätzen.

Und doch ist manches faul im System. Es dreht sich zunehmend und zu sehr ums Geld. Dafür sind die Verteilungskämpfe zwischen Krankenkassen und Ärzteschaft in den vergangenen Wochen beredte Zeugen. So kann der sicher falsche Eindruck entstehen, dass der Mensch, also der Patient in manchen Arztpraxen aus dem Blickfeld geraten ist.

Die Individuellen Gesundheitsleistungen (Igel) befördern diesen Eindruck. Dabei ist im Grunde nichts dagegen zu sagen, dass Zusatzleistungen von Krankenkassen nicht erstattet werden, wenn ihr Nutzen nicht erwiesen ist. Die Messung des Augendrucks beispielsweise führt eben nicht sicher zur frühzeitigen Diagnose von Grünem Star. Auch beim Zahnarzt ist offenbar nicht alles notwendig, was möglich ist.

Aber als Antwort auf allgegenwärtige Schicksale von Prominenten und weniger Prominenten, die viel zu jung viel zu krank werden, neigen viele Deutsche nun einmal dazu, sich mit Hilfe von Igel zu beruhigen. Dafür bezahlen sie. Und der Arzt kassiert. Das ist in Ordnung.

Schwierig wird es, wenn Ärzte ihren Patienten unnütze Untersuchungen aufdrängen. So scheint es einer Umfrage der Verbraucherzentralen zufolge in einigen Fällen zu sein. Das ist misslich, weil Ärzte Vertrauen verspielen, ohne das eine erfolgreiche Therapie kaum möglich ist. Damit schädigen sie nicht nur ihren eigenen Ruf, sondern auch den der gesamten Ärzteschaft.

Ärzte sollen beraten, nicht verkaufen. Sie sollen informieren und therapieren. Und sie sollen gemäß ihrer Ausbildung und der Verantwortung, die sie tagtäglich tragen, gut bezahlt werden. Das aber ist nicht die Aufgabe ihrer Patienten. Für das Einkommen der Ärzteschaft, die noch nicht ausschließlich auf Privatpatienten setzt, sind gesetzliche Krankenkassen und die kassenärztlichen Vereinigungen zuständig. Die Igel-Umfrage zeigt, dass zu viele Ärzte das vergessen haben.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer